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auf den Hochſchulen giebt, wird es auch Schlägermenſuren geben und alle Vorſchläge(z. B.„wie die Duelle, dieſe Schande unſeres Zeitalters, auf unſeren Univerſitäten ſo leicht abgeſchafft werden könnten, nachgewieſen von Dr. H. Stephani, Leipzig 1828*), namentlich aus einigen Kreiſen von Nicht⸗Corpsſtudenten: auf völlige Abſchaffung der Schlägermenſuren und Erſatz durch Ehrengerichte, haben keinen praktiſchen Werth; ſie mühen ſich vergeblich ab. Auffällig iſt auf deutſchen Hochſchulen die Erſcheinung von Verbindungen, welche überhaupt keine Satisfaktion geben und dennoch in Farben die Formen und Gebräuche der Corpsſtudenten nachahmen. Junge Leute auf den Hochſchulen werden immer bei Gelegenheit in einer oder der anderen Weiſe auf einander platzen. Soll der Prügel ſchlichten, ſoll wüſte Rauferei mit gefährlichen Verletzungen an Stelle der in Formen und Schranken vor ſich gehenden Paukereien treten? Der erwähnte Prof. Dr. theol. Karl Hundeshagen, früher in Bern, fand daſelbſt in den 30 er Jahren gewohnheitsmäßige, blutige Prügeleien mit ſchweren Körperverletzungen unter den Studenten vor und ſchaffte bekanntlich durch Einführung der deutſchen Menſuren Abhülfe. Jedes Uebermaß iſt vom Uebel und kann und ſoll einer Uebertreibung dieſer Menſuren, wie ſie im modernen Studententhum ſich zeigen, in keiner Weiſe das Wort geredet vielmehr ernſtlich davor gewarnt werden.
Ueber die Art und Weiſe wie das elegante, kunſtfertige Schlagen der früheren Zeit modern in ein vorgeſchriebenes gleichzeitiges Drein⸗ ſchlagen verwandelt iſt, enthält die Corpsgeſchichte oben Seite 28 Näheres. Es iſt eine weithin bekannte Thatſache, wie ſehr gerade das, aus nicht zu billigenden Gründen, eingeführte, durch den Liſter'ſchen antiſeptiſchen Verband geförderte, moderne Menſurſchlagen die Sympathien der alten Herren beeinträchtigt hat, die auch mit vollem Grund verletzt und beleidigt ſein müßten, daß das Parieren— ihre mit Angriff, zur Verteidigung geübte Fechtweiſe, die Fechtweiſe der deutſchen Studenten ſeit Jahrhunderten,— als Feigheit beſtraft wird. Welche, wenn auch nicht beabſichtigte, immerhin thatſächliche Rückſichtsloſigkeit gegen die alten Herren, die man, wenn es gilt Beiträge von ihnen zu erheben, zu finden weiß. Eine Zeit lang beſtand ſogar bei den modernen Corps der grobe Unfug, daß nach einer Menſur bei den Gegnern angefragt wurde: ob ihnen die Menſur genüge? und daß bei Verneinung der eigene Paukant in Feigheitsverrufe kam. Die Abgabe einer derartigen Verneinung hätte zu unſeren Zeiten zweifellos ſofortige Corpshatze Mann für Mann ver⸗ anlaßt. Das kunſtgerechte Fechten, Angriff und Vertheidigung mit Pariren, iſt von den deutſchen Hochſchulen verſchwunden und hat in den bürgerlichen Kreiſen der Städte ein Aſyl gefunden;
Klein, Studenten⸗Verbindungen. 4


