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Akademische Erinnerungen, kulturgeschichtliche Beiträge und Erörterungen / von Dr. jur. Ernst Klein
Entstehung
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43 ſpeyerbach, im Grünen, unter Reben, mit ihrer herrlichen Umgebung, mit ihrem vortrefflichen Wein. Wer es noch nicht kennt, ſollte es aufſuchen.

Am Abend nach der Ankunft noch großes Chaos. Unterkunft wie es ging in der Krone(Poſt, Jakob Kölſch,) im Schiff bei Gaſtwirth Hornig und anderwärts und wer nicht unterkam, der kneipte fröhlich weiter, ſo lange es ging.

Am 18. Juli allgemeine Verſammlung im Café Helfenſtein; Wahl des stud. Adolph Hirſch aus Halberſtadt zum Präſidenten; das Talent zur Leitung, die große Redebegabung dieſes beſcheidenen jungen Mannes (Neckariner), der mit ſeinen Reden, in tiefer, weitſchallender Stimme, Alle befriedigte, bewährte ſich während der ganzen Auszugszeit.

Die Studenten werden von den Bürgern aufgeſucht und gaſtfreund

ſchaftlich mitgenommen, mitunter nach vorgängiger Capitulation über freie Benutzung des Hausſchlüſſels, und es kehrte allmählich eine gewiſſe noth wendige Ordnung in das Treiben ein. Zeitweiſe allgemeine Verſamm lungen, namentlich auf dem Schießhaus; Kneipereien auf dem Felſenkeller (Schaaf, Geiſel); ſonſt amuſirte ſich Jeder nach Belieben, vielfach mit Ausflügen in die Umgegend, nach Winzingen, Musbach, nach dem von 1832 her denkwürdigen Hambach, namentlich in die Wirthſchaft von Nicolauszum Engel, auf die Marburg, nach Trifels ꝛc. Ein von der Bürgerſchaft uns gegebener großer Feſt⸗Commers im Hofe des Stadt⸗ hauſes gab namentlich Gelegenheit, weitere Kreiſe der Neuſtädter kennen zu lernen, unter welchen ſich viele bildſchöne, liebenswürdige Damen be fanden. Es iſt dieſes kein Compliment, vielmehr die volle Wahrheit. Ein heiteresfeucht⸗fröhliches Treiben, um mitSeppel(Joſeph Scheffel) zu reden, machte ſich als charakteriſtiſches Symbol während des ganzen Verlaufs des Auszugs überall geltend, unterſtützt durch reinen, guten und ſehr billigen Wein. Wilhelm Wetzel(Calcagnio¹), Naſſove aus Frank furt a. M., und Adolf Horſt(Gießer Starkenburger, kneipte mit den Naſſoven) aus Darmſtadtentdeckten denblauen Lumpen. Der ge müthliche Färber Knauper, von deſſen Dach große blaue Tücher zum Trocknen herabhingen, hatte bei unſerer Ankunft, mit Ausſtecken eines Straußes, ſeine Wein⸗Crescenz in Zapf genommen, per Schoppen 4 ſage vier Kreuzer und von früh bis ſpät ging es da überaus luſtig und gemüthlich zu und war es eine Freude zu ſehen, wie die gemeinſame Angelegenheit die anweſenden Studenten der Heidelberger Corps⸗ und anderer Verbindungen, Nord und Süd, in freundlichſten geſelligen Ver kehr brachte. Wo jugendlicher akademiſcher Sinn und Uebermuth ſeinen Humor entwickelt, da treibt es köſtliche Bilder. Wer könnte ſie alle ſchildern? Wir frühere Gießer Studenten, welche auch den Staufenberger