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Festschrift zur Begrüßung der 38. Versammlung Deutscher Philologen und Schulmänner dargebracht / von dem Großherzogl. Realgymnasium und der Realschule zu Giessen
Entstehung
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Fallmaſchine läßt es ſich beſtätigen, daß bei demſelben Uebergewicht die Beſchleunigung in umgekehrtem Verhältniß zur geſammten bewegten Maſſe ſteht. Man war daher berechtigt, nach der Maſſengeſchwindigkeit die Größe der Bewegungsurſache zu meſſen und die Bewegungsurſache in Hinblick auf die erzeugbare Bewegung als Kraft zu faſſen.

Als Urſache der Bewegung ſcheint in anderen Fällen etwas vorausgeſetzt werden zu müſſen, das nicht wahrnehmbar iſt; die Schwerkraft und Gravitation, auch die magnetiſchen und celektriſchen Kräfte ſind als ſolche nicht wahrnehmbare Urſachen gefaßt worden, die geheimnisvoll in den Dingen ihren Sitz haben und die Bewegungen bewirken. Die hierdurch bewirkten Bewegungserſcheinungen erſcheinen rätſelhaft, während die Bewegungen, die durch Druck und Stoß her⸗ vorgerufen ſind, als einleuchtende, denknotwendige Folgen dieſer Urſachen erſcheinen. Dagegen iſt bereits von Hume bemerkt worden, daß wir von dem Weſen der Mitteilung der Bewegung beim Stoß ſowenig einen Begriff hätten, wie von der cauſalen Hervorbringung irgend eines andern Vorgangs. Daß die Uebertragung der Bewegung beim Stoß als ſelbſtverſtändlich erſcheint, liegt begründet in Folgendem. Die Sinneswahrnehmungen, namentlich die Wahrnehmungen des Ge⸗ ſichtsſinnes ſind uns in einer ſolchen räumlichen Ordnung gegeben, daß ſie als die verſchiedenartigen Anſichten von dreidimenſionalen Körpern erſcheinen, die ein im ganzen beharrliches Daſein aufweiſen. Dieſes beharrliche Daſein ſchließt als Folge ihre Undurchdringlichkeit ein, und hierdurch erſcheint die Wirkung beim Stoß hervorgebracht. Hierzu kommt, daß die Bewegung des geſtoßenen Körpers ein Vor⸗ gang iſt, der an derſelben Stelle anfängt, wo die des ſtoßenden endigt, wodurch die räumliche Stetigkeit der beiden Vorgänge gewahrt iſt. Es erſcheint nämlich als eine Denknotwendigkeit, anzunehmen, daß ein Vorgang nur dann auf einen anderen folgen könne, wenn er mit ihm in einem continuierlichen räumlichen Zuſammenhang ſtehe; daher konnte man, wie Leibniz z. B., es nicht begreifen, wie ein Körper auf das wirken könne, was er nicht berühre, daher die wiederholten Verſuche dasRätſel der Schwerkraft erklären zu wollen aus den Stoß⸗ wirkungen eines hypothetiſchen Äthers, daher die Annahme von einer continuierlichen Fortpflanzung des Lichtes in Strahlen ſelbſt durch den leeren Raum, wo es nicht exiſtent ſein kann, da es erfahrungs⸗ gemäß nur gegeben iſt als Eigenſchaft der materiellen Dinge. Von