daß dieſe Aenderung des Bewegungszuſtandes ganz widerſtandslos erfolgte. Das Licht bewegt ſich in gerader Linie, bei dem Eintritt in durchſichtige Körper wird es gebrochen, aber die Vorſtellung von einem Widerſtand, den der Lichtſtrahl der Brechung entgegenſetzt, iſt nicht vorhanden. Wenn indeſſen die Kraft als Maſſengeſchwindigkeit gefaßt wird, ſo iſt es klar, daß wenn die Geſchwindigkeit vergrößert oder vermindert wird, damit auch Kraft aufgewandt ſein muß, aber daß auch mit der Aenderung in der Richtung der Bewegung, wobei die Größe der Geſchwindigkeit dieſelbe bleibt, Kraftwirkung verbunden iſt, erſcheint nicht ſelbſtverſtändlich. Descartes dachte hierüber anders. Die Seelen waren nach ſeiner Meinung nicht imſtande die Summe der vorhandenen Bewegung abzuändern, alſo neue Bewegung zu er⸗ teilen oder zu vernichten, wohl aber konnten ſie die Richtung abändern, er ſah alſo nur in der Aenderung der Bewegungsgröße einen Kraft⸗ aufwand, aber nicht in der Abänderung der Richtung.
In der bewegten Maſſe iſt alſo inſofern eine gewiſſe Kraft exiſtent, als dieſe Bewegung durch animaliſche Bewegungen, mit denen Kraftempfindung verbunden iſt, erzeugt und vernichtet werden kann. Dieſe Kraftempfindung iſt keine genau meßbare Größe, ſie hat nur ihren beſtimmten Grad und wir empfinden, daß dieſer Grad mit der bewegten Maſſe und Geſchwindigkeit größer wird, aber nicht, daß dieſe Kraftempfindung genau gleich dem Produkt aus Maſſe und Ge⸗ ſchwindigkeit zu ſetzen ſei. Daß aber die Kraft gleich der Maſſen⸗ geſchwindigkeit geſetzt wird, liegt begründet an objektiven genau meß⸗ baren Vorgängen, die keinen Bezug auf die Empfindung nehmen. Es zeigt ſich nämlich, daß dieſelbe Urſache der Bewegung immer dieſelbe Maſſengeſchwindigkeit hervorruft. Unter Urſache der Bewegung iſt aber hier zu verſtehen nichts geheimnisvoll Transcendentes, ſondern ein Vorgang oder Gegenſtand der nichts als Erſcheinung iſt und durch deſſen Daſein auch eine Bewegung geſetzt iſt. Bei der Atwoodſchen Fallmaſchine iſt Urſache der Bewegung das auf der einen Seite liegende Uebergewicht, bei der Bewegung eines Pfeiles iſt Urſache die Sehne in dem geſpannten Zuſtand. Bei derſelben ſo gefaßten Urſache der Bewegung tritt die hervorgerufene Maſſengeſchwindigkeit als eine conſtante Größe auf, derart, daß bei einer größeren Maſſe eine in demſelben Verhältnis kleinere Geſchwindigkeit erteilt wird, ſo daß das Produkt aus Maſſe und Geſchwindigkeit dasſelbe bleibt. An der


