theſe, wonach die Atomgewichte aller Elemente Multipla vom Atom⸗ gewicht des Waſſerſtoffs ſeien, welche Hypotheſe von ſelbſt dazu führte, in dem Waſſerſtoff das Urelement zu vermuten.¹) Die genaueren Atom⸗ gewichtsbeſtimmungen der neueren Zeit haben indeſſen gezeigt, daß die Atomgewichte nur annähernd ganze Zahlen ſind, womit die ganze Hypotheſe fällt. So lange man damit ausreicht, wird man an der Annahme feſthalten, daß die Materie den Raum in continuierlichem Zuſammenhang erfülle, wie ſie es zu thun ſcheint. Es iſt neuerdings behauptet worden:„Die Phyſik kann und muß der Vorſtellung von Molekülen und Atomen entbehren“. ²)
Eine allgemeine Materie ohne Beſtimmungen gedacht, iſt nur eine Abſtraction. In der Wahrnehmung gegeben und als exiſtierend denkbar iſt nur die mit beſtimmten Sinnesqualitäten erfüllte Materie die beſondere Stoffart. Zum Begriffe des Stoffes gelangt man durch die Thatſache, daß„Geſtalt und Größe eines Dinges durch mechaniſche Urſachen veränderbar ſind, ohne daß der Verein der übrigen Qualitäten durch dieſe Veränderung irgend wie berührt würde“.³) Die Geſtalt hängt demnach„von äußeren mechaniſchen Bedingungen ab; d. h. ſie iſt relativ unweſentlich. Nicht unweſentlich, ſondern weſentlich iſt natürlich das generiſche Moment, daß jedenfalls Geſtalt und Größe vorhanden iſt“.¹) Der Stoff iſt demnach die continuierliche Raum⸗ erfüllung mit beſtimmten Qualitäten, wobei jeder einzelne Raumteil dieſe beſtimmten Qualitäten zeigt. Bei derſelben Stoffart hat es Sinn von einem Quantum zu ſprechen, indem man ſich dieſelbe Menge doppelt und irgendwie vervielfacht ſetzen kann, ſo daß bei derſelben Stoffart das Quantum dem Volum proportional iſt. Zwei Körper aus demſelben Stoff laſſen ſich demnach unmittelbar hinſichtlich ihrer Quantität Materie oder ihrer Maſſe vergleichen.
Die Vergleichung der Maſſen von Körpern aus verſchiedenen Stoffen iſt indeſſen nur durch Beobachtung des mechaniſchen Ver⸗ haltens derſelben möglich. Die Empfindung von dem Widerſtand, den eine Maſſe der Bewegung durch die Hand entgegenſetzt, oder von dem Andrang, den die bewegte Maſſe gegen die Hand ausübt, bildeten für dieſen Begriff die Grundlage. Man erkannte außerdem, daß
¹) Wundt, Methodenlehre, S. 414.
2) Wernike, Elementar⸗Mechanik, S. XI.
³) Schuppe, Erkenntnistheoretiſche Logik, S. 587. 4) Schuppe, ebend.
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