Ebenſo hält er die Kräfte für objektiv exiſtierend. Wenn z. B. eine beſtimmte Menge Luft auf einen kleineren Raum comprimiert wird, ſo unterſcheidet ſich dieſelbe in dem comprimierten Zuſtand von dem urſprünglichen dadurch, daß ſie ein kleineres Volum hat, außerdem iſt aber in derſelben eine Spannung entſtanden, die die Wände des Gefäßes drückt. Wenn man aber dieſer Vorſtellung auf den Grund geht und zuſieht, wie denn dieſe Spannung eigentlich objektiv exiſtent zu denken iſt, ſo bleibt nichts als die Vorſtellung von einer geringen Ausdehnung, die das Gefäß erleidet, wodurch dieſes unter Umſtänden zerſprengt wird, von der Spannung ſelbſt aber nichts. Man hat daher ſchon oft dem ſtatiſchen Kraftbegriff, wonach die Kraft eine Bewegung hervorzubringen ſtrebt, Dunkelheit vorgeworfen.¹) Die Begriffe von Zug, Druck, Widerſtand, Spannung exiſtieren nur als Empfindungen. Der mechaniſche Kraftbegriff, die Maſſenbeſchleunigung, war dagegen vollſtändig klar, wie die Elemente, aus denen dieſer Begriff zuſammen⸗ geſetzt iſt. Indeſſen auch bei der Maſſenbeſchleunigung haftet der Kraftbegriff weſentlich an der Vorſtellung von dem Widerſtand, den die Maſſe einer Beſchleunigung entgegenſetzt, oder von dem Andrang, den die beſchleunigte Maſſe auszuüben imſtande iſt, was nichts weiter als Empfindungsvorſtellungen ſind. Abgeſehen von dieſen Vorſtellungen wären die Bewegungen der Maſſen nichts weiter als Geſichtsphänomene, die ſich widerſtandslos ereigneten. In der Thatſache, daß die be⸗ wegte Maſſe auf den Taſtſinn einzuwirken vermag, wodurch die Kraft⸗ empfindung entſteht, liegt die Veranlaſſung, daß der Kraftbegriff ſeine objektive Bedeutung an der bewegten Maſſe erhielt, indem ſich ein geſetzmäßiger Zuſammenhang zwiſchen der Kraftempfindung und den wahrgenommenen Bewegungen erkennen ließ.
Alle Beobachtungen, die zur Feſtſtellung der Bewegungsgeſetze gemacht werden mußten, ſind durch den Geſichtsſinn zuſtande ge⸗ kommen. Der freie Fall und die Bewegungen der Himmelskörper waren als Geſichtsobjekte gegeben, ſelbſt die Beſtimmung der Maſſen, die unmittelbar durch die Druck- und Widerſtandsvorſtellungen gegeben ſind, geſchieht an der Wage, wobei es ſich nur um Beobachtungen des Geſichtsſinnes handelt. Bewegung kann überhaupt nur anſchaulich vorgeſtellt werden als Geſichtsobjekt und iſt dann entweder in der Wahrnehmung gegeben oder als Geſichtsobjekt in der Phantaſie re⸗
1) Fick, Urſache und Wirkung, S. 39, Kirchhoff, a. a. O., Vorrede.
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