Druckschrift 
Über Alter und Wechsel der Professoren an den deutschen Universitäten : akademische Festrede zur Feier des Stiftungsfestes der Großherzoglich Hessischen Ludewigs-Universität am 1. Juli 1881 / gehalten von dem derzeitigen Rektor Dr. Etienne Laspeyres, ordentlichem Professor der Staatswissenschaften
Entstehung
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würde in der Trennung wohl ſchon ſtimmen, was in der Miſchung nicht ſtimmt, denn was könnte, wenn es ſich nicht gerade um eine überhaupt ſehr geſuchte Univerſität handelt, den Chemiker be⸗ ſtimmen, von ſeiner zwar kleineren aber in Bezug auf Naturwiſſenſchaften bedeutenderen, zu einer zwar größeren, aber durch das Studium der Philologie, nicht der Chemie größeren Facultät überzugehen. Daſſelbe Moment kann die Nichtſtimmung in den Reihen der Juriſtenfacultäten nicht bedingen, denn dies ſind reine, nicht Miſchungsfacultäten. Bei einer Frequenzreihe von 670, 275, 110 und 50 Studenten ſtimmt wohl die Altersreihe mit 57, 53, 51, 49 Jahren, aber nicht die Wechſelreihe, der Wechſel iſt nur bei den ſehr großen Facultäten ſehr klein, bei den ziemlich großen, ziemlich kleinen und ſehr kleinen aber faſt ganz gleich mit 36, wieder 36 und 34 Procent. Sollte hier vielleicht die oben berührte Unruhe, welche zwiſchen 1870 und 1875 in der Juriſtenwelt herrſchte, und den Wechſel auf faſt 45 Procent hob, als ſtörendes Moment eingewirkt haben? Vielleicht bleibt die Luſt zu wechſeln, ſelbſt wenn man eine leidlich große Facultät glücklich erreicht hat, auch noch beſtehen, weil der Ehrgeiz unbedingt auf die ganz großen Univerſitäten gerichtet iſt, oder verläßt man vielleicht, wie Beiſpiele aus Gießen andeuten, eine in vielen Beziehungen ſehr angenehme Uni⸗ verſität zu Gunſten einer weniger angenehmen, nur um in der Bewegung, die ja bei den Juriſten eine ſehr raſche iſt, zu bleiben, oder um nach Preußen und damit moraliſch Berlin näher zu kommen? Wohl in keiner Facultät dürften die Glücksgüter, welche direct aus der Lehrthätigkeit fließen, von Univerſität zu Univerſität ſo ungleich vertheilt ſein, wie bei den IJuriſten, ich ſage ausdrücklich, die direct aus der Lehrthätigkeit fließen, denn in der Medicin und etwa in der Chemie gilt nicht gerade hier aber anderwärts die rein academiſche Einnahme zuweilen nur als geringe Nebeneinnahme. Nirgends ſind die Univerſitäten in ihrer Frequenz ſo verſchieden, wie bei den Juriſten. Während die Frequenz der ſehr kleinen Medicinerfacultäten zu den ſehr großen ſich verhält wie 100:520, der Theologenfacultäten wie 100:810, der Philoſophen wie 100: 1190, ſteht die der Juriſten zu einander wie 100: 1340 und auf den verſchiedenen Univerſitäten werden die berühmten dickleibigen Pandektenvorleſungen an Zuhörerzahl ganz beſonders differiren. Doch ſollen die obigen Erklärungen nur als mögliche hingeſtellt ſein. Endlich bei den Theologen ſtimmt mit der Frequenzreihe mit 340 189, 90, 40 Studenten wohl die Wechſelreihe mit 21, 22, 25, 26 Prozent, aber nicht die Alters⸗ reihe, denn die ziemlich großen theologiſchen Facultäten haben durchſchnittlich ältere Mitglieder als die ganz großen, während allerdings für die ziemlich kleinen und ſehr kleinen Facultäten die Altersreihe eine abnehmende bleibt. Tritt bei den Theologen die Altersreihe vielleicht wieder darum nicht in ihr Recht, weil in drei Fällen die evangeliſche und die katholiſche zuſammen geworfen werden mußten? Oder gehen von den berühmten ſehr großen Facultäten beider Confeſſionen etwa Viele in hohe Kirchenämter, ſo daß dadurch ihr Alter ſich niedriger ſtellt, als wenn der Abgang erſt im hohen Alter durch den Tod erfolgte? Oder ſollte, worauf auch der auffallend geringe Orts⸗ wechſel ſchließen laſſen möchte, der Grund der ſein, daß die Theologen weniger auf große Zuhörer⸗ zahl geben, weil ſie irdiſchen Beſitz, hier Colleggelder, geringer anſchlagen, als andere Profeſſoren, oder endlich, weil bei zwar gleicher Werthſchätzung irdiſcher Güter die im Verhältniß zur Profeſſorenzahl geringe Anzahl der Theologie⸗Studirenden und die im Vergleich zur Studentenzahl