Druckschrift 
Kritische Beleuchtung der Prinzipien des neuen Gießener Studienplans, mit besonderer Rücksicht auf die darüber erschienenen Schriften der Herren Schleiermacher und v. Linde / [L. Noack zu Worms]
Seite
215
Einzelbild herunterladen

n

ſachkundigen ſophie, im Disziplin der ieſer Eigen⸗ iſ derſelben plan einge⸗ Vermuthlich, ſopben, oder t, zu deſſen re, vorzugs⸗ einer Seite ohne Zweifel Philoſophie Wiſfenſchaft beleben und runter ihre aus dieſer ennen, welche der That die enen Fakul⸗ ig der Stu⸗ h bei dem Gymnaſial⸗ ſtſtändigern eiterte, daß der Reben⸗ unter allen eſchichte der ſhen Philo⸗ nannt wird, und engere im Ganzen 9 Bedenken fakultativen gern philo⸗ henfölze der Betrachtet gft zu den

des neuen Gießener Studienplans ec. 215

verſchiedenen Zeitrichtungen genauer, und vergleicht man damit ihr Verhältniß zur Philoſophie, ſo ergibt ſich nach dem vorlie⸗ genden Studienplan nicht das günſtigſte Reſultat. Wird die Philoſophie in dieſer beſchränkten Weiſe blos als dienendes Glied der andern eigentlichen Fachwiſſenſchaften betrachtet, und derſelben demgemäß auch keine für ſich ſelbſt berechtigte Stellung einge⸗ räumt, ſo verliert dieſelbe nothwendig über kurz oder lang, wozu an manchen Orten bereits Ausſichten genug da ſind, ihre ganze Bedeutung in den Fakultäten und in der universitas litera- rum*). Von wo ſoll dann nachher der ewig junge, friſche Springquell, der die Fluren der Wiſſenſchaften tränkt, und am Baume der Wiſſenſchaften immer neue Blüthen treibt, woher ſoll er dann kommen, wenn die Philoſophie der materiellen Wirklichkeit, dem Leben, dem Staate Knechtsdienſte leiſten muß, ſtatt frei zu herrſchen als heitere, himmliſche Göttin! Aber der Egoismus der Zeit ſieht die Trauernde einſam ſitzen auf den Ruinen, ſtatt daß die Undankbaren ſelber in Sack und Aſche Buße thäten für ihren Frevel.

Was übrigens den in allen einzelnen Studienplänen befolgten Grundſatz anlangt, nach welchem die philoſophiſchen Vorleſungen überhaupt und insbeſondere Logik und Pſychologie vorwaltend in die erſten Semeſter verlegt werden; ſo läßt ſich gegen dieſe Rückſicht der gewichtige Einwurf erheben, daß nach dem Zeug⸗ niſſe der Erfahrung die meiſten Studirenden dieſe Vorleſungen

*) In dieſer Beziehung darf man ſich nur an die Worte Arnold Ruge's erinnern in der 1ſten Nummer des 41ger Jahrgangs derdeutſchen Jahrbücher S. 4:Die philoſophiſchen Fakultäten haben allerdings noch die reinwiſſenſchaftliche Aufgabe, aber dennoch iſt ihre Stel⸗ lung eine ganz ſchiefe. Man ſchiebt ſie in die Vorbereitungszeit zu den eigentlichen Studien; man macht ſie überall zum Beiwerk und zur Magd der übrigen, der praktiſchen Diſziplinen; der leidige Nutzen iſt, als eine wahre Tollheit, durch die Examen⸗ angſt deſto feſter in die Gemüther der Studenten gefahren, und nichts iſt ausgemachter, als daß die Brodſtudien und der zukünf⸗ tige Erwerb, das elende nackte Leben, nicht die Wahrheit und der ewige Geiſt das Prinzip unſerer Univerſitäten ſind. Die Philo⸗ ſophie und die reine Wiſſenſchaft wird unterdrückt; der Gemein⸗ heit, dem Handel, dem Werbe⸗ und Protektionsſyſtem iſt hiermit

Thür⸗ und Thor geöffnet.