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Kritische Beleuchtung der Prinzipien des neuen Gießener Studienplans, mit besonderer Rücksicht auf die darüber erschienenen Schriften der Herren Schleiermacher und v. Linde / [L. Noack zu Worms]
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204 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien

möglich, Sachen und Fragen befriedigend zu erörtern, welche eine weit ſichere und gründlichere Behandlung heiſchen.

Nach dieſer allgemeinen Kritik des Studienplans und der Linde'ſchen Vertheidigung deſſelben, gehen wir auf die einzelnen Theile deſſelben über.

II. Kritik der beſonderen Theile des Studienplans.

Wir halten uns zunächſt und zumeiſt an den Studienplan für proteſtantiſche Theologen und an den für künftige Gym⸗ naſiallehrer, gehen dann auf die Philoſophie im engern Sinne über; bei dem Studienplan für die Rechtsbefliſſenen und die Mediziner beſchränken wir uns begreiflicherweiſe bloß auf eine allgemeine Beurtheilung der in den betreffenden Studienplänen hervortretenden Verhältniſſe, vom philoſophiſchen Standpunkte aus.

Die ganze Anlage des Studienplans für prote⸗ ſtantiſche Theologen, über den zuvnächſt unſere Bemer⸗ kungen ſich erſtrecken ſollen, iſt den dringenſten Beduͤrfniſſe der Gegenwart fremd geblieben und die Anforderungen der Zeit ſind hier am wenigſtenz berückſichtigt worden. Das war auch bei dem allgemeinen Stand und der Richtung der theologiſchen Fakultät in Gießen nicht anders zu erwarten, die eben dadurch, daß ſie ſich rühmt, die reine Jungfrau des Rationalismus zu ſeyn, hinter dem jetzigen Stand und Fortſchritte der theologiſchen Wiſſenſchaft weit zurück geblieben iſt. Wer heutzutage irgend noch als wiſſenſchaftlicher Theolog zu den Lebendigen gezählt werden will und auf dieſe Ehre gegründete Anſprüche machen kann, der iſt der ſpekulativen Theologie zugewandt, zu welcher freilich die gewöhnlich ſ. g. Rationaliſten und auch die Gießner Fakultät nans Fiduz haden, ſich gegen dieſelbe vielmehr wie

der Fuchs zu den Trauben verhalten. Die ſpekulative oder phi⸗ loſophiſche T Lheolugi gilt ihnen für eine neutrale Marketenderin, welche zwiſchen den beiden feindlichen Extremen, der Orthodorie und dem Rationalismus, hindurchgehe, eine Annahme, die jedoch aller begründeten Vorausſetzung entbehrt, denn die Tendenz der wahren, wiſſenſchaftlichen oder philoſophiſchen Vermittelung der Gegenſätze, welche die ſpekulative Theologie für ſich in An⸗ ſpruch nimmt, iſt nicht die gemeinte zwitterhafte Halt⸗ und

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