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Kritische Beleuchtung der Prinzipien des neuen Gießener Studienplans, mit besonderer Rücksicht auf die darüber erschienenen Schriften der Herren Schleiermacher und v. Linde / [L. Noack zu Worms]
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des neuen Gießener Studienplans ꝛc. 203

den Schlechten und Unfähigen aber auch nicht einmal dem Staate etwas gelegen ſeyn kann. Für den ordinären Mühlengang des bloßen Brodſtudiums und den Kuhweg der Ochsgenies iſt über haupt die Wiſſenſchaft und die Univerſität nicht da. Was die Hervorhebung des lebendigen Wortes, gegenüber den Bücher⸗ ſtudien der ſ. g. Autodidakten, in der Linde'ſchen Schrift, an geht, ſo iſt die Behauptung, daß jenes das lebendige Wort unbedingt den Vorzug verdiene, in dieſer Allgemeinheit minde⸗ ſtens einſeitig und nur halbwahr. Unbedingt iſt Solches nur bei guten, bei ausgezeichneten Dozenten der Fall; von der großen Mehrzahl gewöhnlicher akademiſcher Lehrer gilt es keineswegs. Ebendaher kommt's auch, daß die Univerſitäten überhaupt nicht mehr, wenigſtens nicht alle darunter, ſo nothwendig und aus⸗ ſchließlich wie früher, die Vertreter der Wiſſenſchaftlichkeit ſind, ja ſogar daß ſie nicht einmal kimmer und alle die vorzugsweiſe geeigneten Mittel des wiſſenſchaftlichen Studiums bieten, daß vielmehr die wahrhaft freie Wiſſenſchaft unſerer Zeit ſich oft in die Stille des Privatlebens flüchten mußte. Die meiſten un⸗ ſerer neueſten, epochemachenden Werke, welche irgend einem wiſſenſchaftlichen Fortſchritte die Bahn brechen wollten, hat nicht der Mutterſchooß der Fakultäten gezeugt und nicht der Herd der Univerſitäten gepflegt. Die Wahrheit dieſer Erfahrung mußte freilich dem Hrn. v. Linde verborgen bleiben, weil er ſelbſt der hiſtoriſchen Schule angehört, von welcher die obige Bemerkung nicht gilt, und weil er überhaupt einen viel zu unbeſtimmten und zerfließenden Begriff von der Bedeutung der philoſophiſchen Wiſſenſchaften hat, als daß er dieſelben in ihrer Tiefe zu er⸗ haſchen im Stande wäre. Daſſelbe tritt auch in des Hrn. v. Linde Bemerkungen, bei Gelegenheit der ſ. g. allgemein⸗philo⸗ ſophiſchen Zwangskollegien hervor. Die Stellung der philoſo⸗ phiſchen Wiſſenſchaft im Reiche der Bildung und in der univer- sitas literarum iſt eine viel beſtimmter begriffene und eine viel konkretere, als wie ſie Hr. v. Linde hinſtellt. Zudem iſt auch die ganze Beweisführung(S. 29 u. ff.) eine verunglückte zu nennen. Mit der Auktorität und dem Vorgang anderer Länder und mit Phraſen, wie:kaum möchte geläugnet werden, oder: darum ſcheint es, oder:dürfte daher u. dgl., iſt es nicht