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Kritische Beleuchtung der Prinzipien des neuen Gießener Studienplans, mit besonderer Rücksicht auf die darüber erschienenen Schriften der Herren Schleiermacher und v. Linde / [L. Noack zu Worms]
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202 Kritiſche Beleuchtung der Prinzipien

Bürgſchaft, wozu dann überhaupt Prüfungen? Aber auch hiervon ganz abgeſehen kann z. B. von der Univerſalgeſchichte und der reinen Mathematik nicht im Geringſten ein reeller Nutzen in die Augen fallen. Mehr, als bei dem Abgang von den Gymnaſien in den Maturitätsprüfungen verlangt wird und ver⸗ langt werden muß, etwa eine Erweiterung oder auch nur eine beſſere Orientirung des erlangten Wiſſens, wird th atſächlich darin nicht geboten und kann, bei der Kürze eines halbjähr⸗ lichen Kurſes, nicht geboten werden.

Ein neuer Widerſpruch im Prinzip des Studienplans tritt in Betreff dieſer Zwangskollegien noch beim juriſtiſchen Studien plan hervor, wo folgende Beſtimmung vorkommt:Diejenigen, welche ſich in der reinen Mathematik für hinreichend unterrich tet halten, können ſtatt dieſer eine andere mathematiſche oder naturwiſſenſchaftliche Vorleſung beſuchen. Wie nun? wenn auch Studirende anderer Fakultäten ſich in der Mathematik, oder in der Univerſalgeſchichte ebenfalls für hinreichend unterrich⸗ tet halten? So dürfen ſie, für ihr Theil, dennoch nichts An deres hören! Wird bei dem Einen dieſer beiden Zwangskolle⸗ gien(bei den philoſophiſchen Zwangskollegien iſt's ſchon ein anderer Fall) und in der Einen Fakultät die Beurtheilung des Beſitzes hinreichender Kenntniſſe der eigenen Selbſtkenntniß der Studirenden überlaſſen, warum nicht auch bei den andern? Oder welcher Unterſchied ſollte darin obwalten? Was du hörſt, iſt uns einerlei; wenn du nur hörſt, damit uns die Zu⸗ hörer und die neun Gulden nicht ausgehen! Ueberſetze, wer es kann, anders!

Was vom Herrn v. Linde über Selbſtſtudium im Ver⸗ hältniß zum Kollegienhören, zur Rechtfertigung des Studien plans, vorgebracht wird, iſt ebenfalls unhaltbar. Vom ängſt⸗ lichen Einlernen der Kollegienhefte ſollte nun vor allen Dingen, bei wiſſenſchaftlichen Studien auf der Univerſität, gar keine Rede ſeyn. Findet ein ſolches ſtatt, ſo iſt's unwürdig genug; es kann aber ein ſolches Palliativmittel des Pedantismus und der Bornirtheit, weil es eben nur der Mittelmäßigkeit angehört, auf die Studirenden im Allgemeinen um ſo weniger eine An⸗ wendung erleiden, da ja doch nur das Bedürfniß der zur Wiſ⸗ ſenſchaft Befähigtern einem Studienplan zur Norm dienen, an

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