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Widerlegung der Bemerkungen des Großh. Hess. Geh. Raths Herrn Dr. A.A.E. Schleiermacher, über den für Aerzte und Wundärzte bestimmten Studienplan der Landes-Universität zu Gießen / von Dr. Adolph Wernher, ordentlichem Professor der Wundarzneikunde, Direktor der chirurgischen Klinik
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laſſen haben, und doch verlangt er jetzt ſelbſt ausdrücklich eine ſolche Beſtimmung.

Die Wundärzte ſollen unterrichtet werden, wie ſie bei plötzlichen Lebensgefahren ſich zu verhalten haben, um die erſte Nothhülfe bis zur Ankunft des Arztes zu leiſten; ſie ſollen, namentlich bei Vergiftungen, die erſte, zweckmäßige Hülfe, ge⸗ währen können. Der Herr Recenſent findet einen Unterricht in dieſen Gegenſtänden unmöglich, weil den Wundärzten nicht auch eine gründliche Kenntniß der Krankheiten, welche eine ſol⸗ che Nothhülfe zuweilen bedingen, beigebracht werden könne und dürfe, und weil, um Hülfe bei Vergiftungen zu leiſten, auch ein ordentliches Studium der Toxricologie nothwendig ſey. Der Wundarzt kenne die einzelnen Gifte und ihre Wirkungen nicht, ſo ſey er auch nicht im Stande, die Gegengifte anzuwenden, er müßte dann eine Art von Mithridat haben, die ſich im Noth⸗ falle gegen alle Gifte anwenden laſſe.

Jeder Unbefangene wird bei aufmerkſamer Betrachtung dieſer Aeußerungen ſich eines Lächelns nicht enthalten können, wenn er ſieht, wie Herr Schleiermacher in ſeinem kritiſchen Eifer ſo recht eigentlich das Kind mit dem Bade ausſchüttet. Wenn es brennt, ſo wartet man nicht, bis die Löſchmannſchaft mit kunſtgerechter Hülfe zur Hand iſt, ſondern Jeder greift zu und hilft nach beſten Kräften. Wenn ein Kind aus Unverſtand ein Gift verſchluckt hat, ſo wartet man nicht, bis, nach mehreren Stunden vielleicht erſt, der Phyſikus erſcheint, um den Fall ge⸗ nau aufzunehmen, und bis, nach weiterem Zeitverluſte, die rich⸗ tige Arznei herbeigeſchafft wurde, ſondern Jeder, ein Nachbar, eine alte Frau, räth und hilft mit dem, was als heilſam ihnen zur Kenntniß gekommen iſt. Will man nun den Wundärzten, die doch einige ärztliche Bildung haben, nicht daſſelbe geſtatten, was man jedem Laien geſtatten muß, die Nothhülfe? oder vielmehr will man nicht lieber ſie geradezu darauf unterrichten? hat man doch populäre Schriften genug über dieſe Gegenſtände, und ſoll Wundärzten nicht gelehrt werden können, worüber man⸗ cher Pfarrer und Schullehrer ſich ſelbſt unterrichtet, um im