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Widerlegung der Bemerkungen des Großh. Hess. Geh. Raths Herrn Dr. A.A.E. Schleiermacher, über den für Aerzte und Wundärzte bestimmten Studienplan der Landes-Universität zu Gießen / von Dr. Adolph Wernher, ordentlichem Professor der Wundarzneikunde, Direktor der chirurgischen Klinik
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mannichfache Hinderniſſe entgegenſtanden. Es wäre ſelbſt unſchick⸗ lich geweſen, wenn die Univerſität früher, als die höchſte Be⸗ hörde, die, indem ſie die Vorſchläge jener gut hieß, auch zu⸗ nächſt die Verantwortlichkeit auf ſich nahm, hätte antworten wol⸗ len. Mat hat weiterhin nicht bedacht, wie wehrlos eine Cor⸗ poration, welche aus vielen, von einander unabhängigen Mit⸗ gliedern, zuſammengeſetzt iſt, den Angriffen eines Einzelnen gegenüberſteht, deſſen Stellung Manchen zu beſonderer Rück⸗ ſichtsnahme auffordert. Daher iſt es denn auch gekommen, daß nicht die Univerſität im Ganzen, oder die Fakultäten, ſondern nur Einzelne aus dieſen geantwortet haben. Wenn ich, der Jüngſte der mediciniſchen Fakultät, welcher noch an der Berathung des Studienplanes Antheil nahm, zur Verthei⸗ digung deſſelben auftrete, ſo geſchieht dieſes nur, weil ich es als einen Ehrenpunkt anſehe, ungerechte Beſchuldigungen eines achtbaren Gegners nicht unberückſichtigt zu laſſen, und weil das Publikum ein Recht hat, in einer das ganze Land ſo ſehr intereſſirenden Angelegenheit, völlig aufgeklärt zu werden. Ich trete dabei erſt hervor, nachdem Verſuche, die Fakultät als ſolche zu einer Antwort zu vermögen, geſcheitert ſind, und auch die ältern und erfahrenern Mitglieder derſelben, ihr Schweigen nicht brechen. Hiernach verſteht es ſich von ſelbſt, daß, wie dieſe Entgegnung nur von mir ausgeht, auch die Verantwort⸗ lichkeit nur mir allein gebührt.

Welche Motive bei der Anfertigung des Studienplanes zu Grunde lagen, und wie dabei zu Werke gegangen wurde, iſt in der Entgegnung des Herrn Geh. Staatsraths v. Linde dargelegt worden. Es kann nicht meine Abſicht ſeyn, etwas zu dem hinzufügen zu wollen, was derſelbe mitzutheilen für gut befunden hat. Eben ſo wenig werde ich es mir heraus nehmen, auf die Ausſtellungen zu antworten, welche Fächer ge⸗ troffen haben, die mir ferner liegen, und welche ich nur aus allgemeiner Anſchauung kenne. Diejenigen meiner Collegen, welche mit denſelben näher vertraut ſind, haben geantwortet, oder werden zu ihrer Zeit antworten. So bleibt mir nur der