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Widerlegung der Bemerkungen des Großh. Hess. Geh. Raths Herrn Dr. A.A.E. Schleiermacher, über den für Aerzte und Wundärzte bestimmten Studienplan der Landes-Universität zu Gießen / von Dr. Adolph Wernher, ordentlichem Professor der Wundarzneikunde, Direktor der chirurgischen Klinik
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Herr Schleiermacher ſpricht ſich in ſeiner Vorrede ſelbſt dahin aus, daß er gewünſcht hätte, Ton und Form ſeiner Schrift ändern zu können. Er ſcheint demnach ſelbſt zu fühlen, daß beide für ihn nicht die paſſenden ſind, worin man ihm gerne beipflichten wird. Er entſchuldigt ſich damit, daß ſeine Arbeit urſprünglich für ein kritiſirendes Journal beſtimmt geweſen ſei, daß er ſpäter aber gefühlt habe, eine bloß inlän⸗ diſche Angelegenheit gehöre nicht vor das große Publikum, daß es ihm jedoch nun verdrießlich geweſen ſey, eine eben erſt vollendete Arbeit umzuarbeiten. Der Geheimerath Schleier⸗ macher, ſollte aber doch den Miniſterien gegenüber, das Recen⸗ ſentenſchwert nicht wie ein Schriftſteller führen, der ſeinem Gegner keine Rückſicht ſchuldig zu ſeyn glaubt, weil er weit von deſſen perſönlicher Berührung entfernt iſt; er ſollte wohl überlegen, ob das, was er gedruckt zur öffentlichen Beſprechung bringt, auch nach Form und Inhalt den Anſprüchen, welche man billig an ihn machen kann, genüge. Ein Mann in ſeiner Stellung ſollte nicht die höchſten Behörden in einem Tone öffentlich angreifen, von dem er ſelbſt angiebt, daß er unpaſſend ſey. Was hinderte ihn, wenn auch augenblicklicher Mißmuth über ſeine Arbeit ihn abhielt, dieſelbe alsbald umzuarbeiten, einige Zeit vorübergehen zu laſſen, um eine günſtigere Stim⸗ mung abzuwarten? War die Noth ſo groß, die Abhülfe ſo dringend? und konnte Herr Schleiermacher erwarten, daß auf ſeine Bemerkungen hin, der erſt eben erſchienene Plan zurück⸗ genommen und nach ſeinen Ideen umgearbeitet werden würde? Er hätte wiſſen können, daß das, was im erſten Unmuth ge⸗ ſchrieben wird, ſpäter ſelbſt die eigne Beurtheilung ſelten zu⸗ frieden ſtellt.

Nach einem ſo heftigen und eiligen Angriffe, erwartete man in dem dabei intereſſirten Publikum, daß eben ſo beeilte Erwiederungen von den angegriffenen Behörden folgen würden, und mehrfach hat man öffentlich ſeine Verwunderung darüber ausgeſprochen, daß die Erwartungen hierin getäuſcht wurden; Man hat nicht bedacht, daß einer ſo ſchnellen Beantwortung