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Widerlegung der Bemerkungen des Großh. Hess. Geh. Raths Herrn Dr. A.A.E. Schleiermacher, über den für Aerzte und Wundärzte bestimmten Studienplan der Landes-Universität zu Gießen / von Dr. Adolph Wernher, ordentlichem Professor der Wundarzneikunde, Direktor der chirurgischen Klinik
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Theil der Bemerkungen zu würdigen übrig, welcher ſich auf die mediciniſchen Fächer bezieht, und hinſichtlich welcher der Herr Kanzler die Beantwortung ganz den Technikern über⸗ laſſen hat.

Die Einwürfe, welche Herr Schleiermacher gegen dieſen Theil des Studienplanes erhoben hat, treffen zunächſt die Feſtſtellung und Vertheilung der für die Aerzte beſtimmten Lehrgegenſtände, dann, und ganz beſonders, den Unterricht der Chirurgen und die Stellung, welche ſie ſpäter einzunehmen beſtimmt ſind, ſo wie gleicher Weiſe die Thierärzte zweiter Klaſſe.

Die Anſtände der erſten Reihe ſind in der That nur unbedeutend und hätten, ihrer Geringfügigkeit wegen, zum großen Theile unberückſicht bleiben können. Ich werde ſie der Reihe nach, wie ſie in der Schrift des Herrn Schleiermacher auf⸗ geführt ſind, durchgehen und ihre Unhaltbarkeit zu erweiſen ſtreben.

Der erſte Vorwurf betrifft die Vorträge über allgemeine Pathologie, allgemeine Therapie und allgemeine Chirurgie. Herr Schleiermacher bemerkt von der allgemeinen Pathologie, dieſelbe bilde eine Art von Einleitung in die Lehre von den verſchiedenen Krankheiten des Menſchen, ſie behandele die Arten und Urſachen der Krankheiten, die ſchädlichen äußern Einflüſſe u. ſ. w. Etwas weiter unten fügt er ſeiner eignen Definition hinzu, daß der Vortrag über dieſe Gegenſtände unmöglich tief eingehen könne, denn dieß müſſe ſchon eine tüchtige Kenntniß der ſpeciellen Pathologie und Therapie vor⸗ ausſetzen.

Es iſt in der That richtig, daß die allgemeine Pathologie auf eine ſehr verſchiedene Weiſe behandelt werden kann und je nach der Art der Behandlung, ein ſehr verſchiedenes Maas von Vorkenntniſſen vorausſetzt. Sie kann zweckmäßig entweder am Anfange, oder am Ende des pathologiſchen Studiums, vor⸗ getragen werden. Sie bildet demnach entweder eine Einleitung in die ſpecielle Pathologie, und ſetzt dann nur wenig ſpecielle