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Auf dem Boden der kath. Kirche kann hiernach eine Symbolik überhaupt und als ſelbſtſtändige Disciplin insbeſondere erſt dann zu Tage kommen, wann a) chriſtliche Religionspartheien hervor⸗ getreten ſind, und b) durch öffentliche Bekenntniſſe ſich in be⸗ ſtimmter Unterſcheidung zu erkennen gegeben, und c) endlich dieſe Bekenntniſſe einer wiſſenſchaftlichen Darſtellung dadurch ſich fähig gemacht haben, daß je das einzelne von ſeinen Bekennern ſelbſt im Verhältniſſe zu den übrigen Confeſſionen wiſſenſchaftlich dar geſtellt worden iſt. Beim Vorhandenſeyn von a. war katho⸗ liſcherſeits erſt möglich eine gegen einzelne Punkte gerichtete, beim Vorhandenſeyn von b. ſchon eine gegen das Ganze der einzelnen Bekenntniſſe ſich wendende Polemik, wie wir ſie in den Contro⸗ verſen Bellarmin's und der vielfach bearbeiteten theologia po- lemica finden, welche beide ſich bereits von der Dogmatik abzu⸗ ſondern beginnen; und erſt, nachdem in den ſymboliſchen Hand büchern von Plank, Marheineke, Winer, Clauſen u. ſ. f. das unter c. bezeichnete Dritte ſich zu Tage gefördert hatte, war eine von der Dogmatik geſonderte Symbolik unter den Katholiken möglich geworden, trat aber jetzt auch durch Möhler mit aller Entſchiedenheit und derjenigen Bedeutung auf, welche die ange⸗ ſehenſten nichtkatholiſchen Theologen ſelbſt ihr nicht abſprechen mochten.
H. Schleiermacher bringt jedoch zum Beleg für ſeine obige Behauptung, daß eine katholiſcherſeits eintretende Behand⸗ lung der Symbolik als einer von der Dogmatik abgeſonderten Wiſſenſchaft dem Geiſte wie der Sitte des Katholicismus wider⸗ ſtrebe, als angebliche Thatſache bei:„die kath. Dogmatik, bis auf die neueſten Zeiten—— nahm die Symbolik in ſich auf, ließ ſie aber als beſondere Wiſſenſchaft nicht auffommen“. Es iſt aber das gerade Gegentheil hievon Thatſache. Die, ſobald die unerläßlichen Vorbedingungen einer Symbolik als beſonderer Dis⸗ ciplin der kath. Theologie vorhanden waren, als ſolche auch ſchon erſchienene Symbolik Möhlers fand bei den Katholiken aller Länder, Rom nicht ausgenommen, die größte Anerkennung, und ſchwerlich wird ſich eine k. theologiſche Lehranſtalt ausfindig machen


