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Bemerkungen über den Studienplan für die Grossherzoglich Hessische Landesuniversität zu Giessen / von Dr. A.A.E. Schleiermacher, Großh. Hess. Geh. Rath.
Entstehung
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Schon eine flüchtige Anſicht des Studienplans zeigt unwiderleglich, daß er weder die Arbeit eines Einzelnen, noch einer Staatsbehörde ſeyn kann, ſon dern nur eine Aneinanderreihung der von Verſchie⸗ denen gemachten Entwürfe iſt. Hier ward nun wohl das Vertrauen, das man Einzelnen ſchenken zu durfen glaubte, getäuſcht, ohne daß dieß bei den Theilen, die ihrer Natur nach dem Geſchäftskreis einer Höch ſten Staatsbehörde entfernter liegen, ſo leicht be merkt wurde. Gerade in dieſen Theilen aber finden ſich die Anſtände, auf die ich aufmerkſam machen zu müſſen geglaubt habe, und es ſchien mir paſſend, dieß ohne Aufſchub zu thun, und die Discuſſion da⸗ rüber im Inland ſelbſt hervorzurufen. Sind die Anſichten über die meiſten Gegenſtände der Literatur ſo ſehr verſchieden, ſo müſſen ſie es um ſo mehr in den Fällen ſeyn, in welchen man auf die eine oder die andere Weiſe von der hergebrachten Ge⸗ wohnheit und den auf ihr beruhenden Ideen der Menſchen abzuweichen ſich bewogen fühlt. Neue⸗ rungen die in ſolchem Sinn gemacht werden, ſind bald durch die Forderungen der Zeit geboten, bald beruhen ſie auf Meinungen, die, ſo gut auch die Abſicht ſeyn mag, welche ihnen zu Grunde liegt, ſich doch keine allgemeine Anerkennung erwerben können. Oeffentliche, gegenſeitige Erörterung kann hier allein zu klarer Anſicht führen, und es betrifft hier einen vorzugsweiſe wiſſenſchaftlichen Gegenſtand, der von jeher dem Gebiet der literäriſchen Critik angehörte, nicht bloß dem engeren Kreiſe adminiſtrativer Geſetz⸗ gebung, ein Geſichtspunct den man hierbei nicht aus dem Auge verlieren darf.