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Hochverehrter Herr Inbilar!
Der engere akademiſche Senat erſcheint vor Ihnen in dieſem feier⸗ lichen Augenblicke, um Ihnen Namens der geſammten Univerſität die herzlichſten Glückwünſche zu dem Tage darzubringen, an welchem Sie vor fünfzig Jahren Ihre öffentliche Laufbahn wie Ihre ſegensreiche Wirk⸗ ſamkeit begonnen haben. Wir kommen im Namen Aller, die zur Univer⸗ ſität gehören, weil wir Alle tief durchdrungen ſind von der Anerkennung der großen und zahlreichen Verdienſte, welche Sie ſich nach verſchiedenen Seiten und Beziehungen hier in faſt ununterbrochener Folge erworben haben.
Fürchten ſie nicht, daß wir Ihre Gefühle durch die Aufzählung die⸗ ſer Verdienſte verletzen werden; viele von ihnen ſind ja auch der Art, daß ſie zu ihrer vollen Würdigung eine größere Sachkenntniß und größeres Geſchick fordern, als dem dermaligen Sprecher zu Gebote ſtehen. Aber diejenigen können wir unmöglich mit Stillſchweigen übergehen, welche un⸗ ſere Univerſität und die wiſſenſchaftlichen Angelegenheiten im Allgemeinen betreffen; an einem Tage, wie der heutige iſt, iſt's an der Zeit von ih⸗ nen zu zeugen.
Sie haben uns wieder einmal einen ſprechenden Beweis geliefert, daß auch diejenigen, denen die Welt der Bücher und der Ideen die eigent⸗ liche Heimath iſt, nicht unausbleiblich dem Geſchick verfallen, einzutrocknen, oder, abgeſchieden von den lebenden Intereſſen der Gegenwart, ſich in die Cocons abſonderlicher Ideen und Gedanken einzuſpinnen; ſondern daß Sie auch nach fünfzig Jahren gelehrter Thätigkeit noch mit friſcher Gei⸗ ſtes⸗ und Körperkraft, mit jugendlicher Theilnahme an den Anliegen und Aufgaben der Menſchheit einhertreten können in den Kreiſen jüngerer Ge⸗ noſſen und unter den Kindern eines ganz neuen Geſchlechtes. Sie haben dies erreicht durch die nicht nachlaſſende Energie, mit welcher Sie ebenſo an Ihrer eigenen Fortbildung, wie an der Weiterbildung Ihres Faches gearbeitet, mit welcher Sie gehört und geprüft, geforſcht und der Löſung der allenthalben auftauchenden Räthſel nachgeſonnen haben; Sie haben es erreicht, indem Sie das nil humani a me alienum puto befolgten und nach allen Seiten hin Netz und Fangleine auswarfen, nach allen Seiten hin Ihre Streifzüge ausdehnten, um mit köſtlichen Beuteſtücken für den wiſſenſchaftlichen Geiſt heimzukehren.


