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Ein Beitrag zur Geschichte der Hochschule zu Giessen : akademische Festrede zur Feier des hohen Geburtsfestes seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwigs III. am 9. Juni 1866 gehalten / von dem Rector der Landes-Universität Dr. Hermann Hoffmann, ordentlichem Professor der Botanik
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im Intereſſe eines ſolchen Inſtitutes, wie der Wiſſenſchaft iſt, verſteht ſich von ſelbſt; ja es iſt noch nicht einmal der Vorſchlag dazu gemacht worden. Zum Verſtändniß wird es nützlich ſein, wenn ich anführe, daß unſer neues Gewächshaus(bezogen im November 1858) die Summe von 22503 fl. gekoſtet hat. Ich füge hinzu, daß das ſchöne neue Gewächshaus in Marburg, eine wahre Zierde dieſer Stadt, 36000 fl. gekoſtet hat; und daß ich zahlreiche Gärten von reichen Privaten geſehen habe, worin drei, ja ſechs Gewächshäuſer von der Größe des unſrigen ſtehen*). Danach mag man ermeſſen, ob es etwas Großes iſt, wenn ein wohlhabendes Land wie das unſerige die genannte Summe aufwendet. Was die Urſachen dieſes Ablehnens waren, ver⸗ mag ich nicht zu ſagen, ebenſowenig wie in zahlreichen analogen Fällen. Angeblich iſt es Spar⸗ ſamkeit, aber ich halte dies für unwahrſcheinlich. Ich halte unſer Volk nicht für ſo arm und ſo ungebildet, daß man mit ſolchen Redensarten Jemanden irreführen könnte. Wenn die ſächſiſchen Herzogthümer für Herſtellung eines phyſiologiſch⸗botaniſchen Laboratoriums in Jena noch ganz neuerdings die Summe von 13000 Thalern bewilligt haben**), ſo wird man nicht behaupten wollen, daß für ein blühendes Land, wie das unſere, eine Summe von 20 30 100,000 fl. für derartige Zwecke eine Verſchwendung ſei. Sparſamkeit für ſich kann unmöglich Zweck ſein, das wäre ja niedriger Geiz; ſie kann nur das Mittel ſein, ſei es um den guten Schein zu wahren, alſo in unſerem Falle Popularität in den Kreiſen der Urtheilsloſen zu gewinnen oder ſich zu erhalten; ein Zweck, den ich ſelbſtverſtändlich entſchieden perhorreſcire. Oder ſie iſt die einzig richtige und berechtigte, ſie häuft im Kleinen Geld auf, um es für bedeutende Zwecke oder im Falle der Noth zu verwenden. Denn zum Ausgeben iſt das Geld da, nicht zum Aufheben, am wenigſten in den Händen des Staates. Er kann nichts Beſſeres thun, als daſſelbe auf's Beſte anlegen***); und wo gäbe es eine Anlage, die berechtigter, rentabler, ſicherer wäre, als die Summe, welche man auf die Erziehung des Volkes durch die freie Wiſſenſchaft

*) Näheres über die Geſchichte des botan. Gartens vgl. in Botan. Zeitung 1855 S. 233. und Darmſtädter Zeitung 1861. S. 241.

**) Jena hat gegenwärtig 491 Studirende und Lieentiaten, einſchließlich der Hörer an der landw. Lehranſtalt. Zu letzterer gehört eine landwirthſch. Verſuchsſtation mit 4 Aſſiſtenten und 4 Beamten, nebſt einem Cura⸗ torium von 7 Mitgliedern. An der Univerſität befinden ſich für die Botanik 1) das pflanzenphy⸗ ſiologiſche Inſtitut, mit 1 Director, 1 Aſſiſtent, 1 Diener; 2) der botaniſche Garten; Director wie oben, 1 Garteninſpector; 3) Botaniſche Sammlungen: Director, Aſſiſtent und Diener dieſelben wie sub 1. Vorgetragen wird die Botanik an der Univerſität von den Profeſſoren Pringsheim und Hallier, an der Lehranſtalt für Landwirthe von Prof. Langethal.

*er) Budget für Krieg und Unterricht. Von 1000 fl. der allgemeinen Ausgabe verwendet:

Frankreich für Krieg 295 für Unterricht 11

Preußen 276 14 Württemberg, 218 47 Sachſen 214 37 Baden 182 33 Hannover 128 13

(A. Allg. Z. 1864. S. 3786). In Nordamerica wird überall bei Anſiedelungen ein Zehntel des Bodens für das Unterrichtsweſen reſer⸗ virt und für dieſes verwaltet. 3