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Die Botanik iſt ſchon lange nicht mehr die Kunſt, den Namen einer unbekannten Pflanze aufzuſuchen und die beſtimmte dann einer„Heuſammlung“ zu incorporiren. Die Herbarien— und wir rühmen uns hier eines ſolchen von beſonderem Reichthum— ſind nicht mehr Zweck, ſondern nur eines der vielen Mittel für unſere Wiſſenſchaft. Dieſe aber vertieft ſich einestheils in die Philoſophie des Pflanzenbaues, in die Architektonik der Bauſtyle, nach welchen jene wunderbaren und lieblichen Geſchöpfe ausgeführt ſind,— in die Morphologie. Theils ver⸗ folgt ſie mit dem Mikroſkop das geheimnißvolle Entſtehen und Leben der unendlich kleinen Zellen, aus welchen der Körper der Gewächſe zuſammengeſetzt iſt, ſowie mit der Waagge die chemiſchen Stoffe und ihre Wandlungen im Verlaufe der Vegetation: Phyſiologie. Dazu aber bedarf es eines Apparates, welchen ein Garten allein nicht liefert; dazu ein Muſeum wichtiger und merkwürdiger Präparate und Vorkommniſſe, wie für die Zoologie oder die menſchliche Anatomie und Entwickelungsgeſchichte; dazu Modelle, Karten, Mikroſkope, Inſtrumente von mancherlei Art, und vor Allem— denn Jenes haben wir in einer Weiſe, auf die wir theilweiſe ſtolz ſein dürfen— die geeigneten Räume, an welchen es gänzlich fehlt, ſei es für eine paſſende Auf⸗ ſtellung des Muſeums, welches ſich jetzt in der dumpfigen Hausflur der Gärtnerswohnung be⸗ findet, ſei es der geeigneten, beſonderen Arbeitszimmer, wo die Zöglinge, ungeſtört durch Andere, und nicht gezwungen mit ihnen denſelben Raum von Stunde zu Stunde zu wechſeln, ruhig wie in einem chemiſchen Laboratorium die Apparate aufſtellen, ihre Unterſuchungen beginnen, ihre Experimente fortführen können; dazu endlich eines geeigneten, amphitheatraliſch gebauten, und für dieſen Zweck allein beſtimmten Auditoriums, wo man ſeine Pflanzentöpfe ſtehen, ſeine Modelle, Bilder und Karten bleibend hängen laſſen kann,— wie, in der That, nicht nur hier am Orte für die Mehrzahl der anderen Inſtitute ſolche Räume vorhanden ſind, ſondern auch überall anderwärts, ja ſelbſt an ſolchen Orten, welche, wie Amſterdam, Rotterdam, Frankfurt, nicht eben eigentliche Hochſchulen beſitzen. Sie begreifen jetzt, wie es kommt, daß eine Wiſſenſchaft aus den Kinderſchuhen herauswächſt und mit neuen Anſprüchen an Geld und Raum hervortritt, ohne daß man dies anders, als durchaus naturgemäß finden könnte. Iſt es ja doch auf allen Gebieten des privaten, wie des öffentlichen Lebens, genau ebenſo. Unſere Regierung hat zwar wiederholt Anläufe gemacht, dieſe Mißſtände zu beſeitigen; aber bis jetzt ohne Erfolg. Zuerſt beabſichtigte man, als es ſich um den Neubau des jetzigen Gewächshauſes handelte, bei dieſer Gelegenheit das Muſeum u. ſ. w. zugleich mitzubauen, allein unſere Stände⸗ kammer ging darauf nicht ein, ſondern verwilligte nur die Hälfte des Geforderten; dieſe iſolirte Hälfte mußte dadurch aber begreiflicher Weiſe weit theurer werden, als ſie andernfalls geworden ſein würde. Einige Jahre ſpäter— 1860— legte dann die Regierung das noch immer unerledigte Deſiderat, nämlich die zweite Hälfte, vor, aber wieder ohne Erfolg. Zunächſt wurden 17000 verlangt und mit 34 gegen 3 Stimmen abgelehnt. Die Minorität des Ausſchuſſes trug alsdann darauf an, daß, mit Ausſchluß der geforderten Gärtnerswohnung, 9000 fl. für die genannten übrigen Räumlichkeiten verwilligt werden möchten; aber auch dieſe Propoſition wurde(mit 24 gegen 19 Stimmen) abgelehnt. Daß unter ſolchen Umſtänden keine Rede ſein kann von einer Amtswohnu ng des Directors, wie ſie faſt überall üblich und gleichmäßig


