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Ein Beitrag zur Geschichte der Hochschule zu Giessen : akademische Festrede zur Feier des hohen Geburtsfestes seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwigs III. am 9. Juni 1866 gehalten / von dem Rector der Landes-Universität Dr. Hermann Hoffmann, ordentlichem Professor der Botanik
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ſicht, welche nicht immer lebendig war, vielmehr zeitweiſe ſchlummerte und in Vergeſſenheit gerathen zu ſein ſchien. Die eigentlich techniſchen Fächer ſind auf eine erfreuliche Weiſe ausgeſtattet. Die Phyſik beſitzt ein Cabinet, welches mit jedem andern den Vergleich beſteht; das techno⸗ logiſche Cabinet zeigt noch überall den thätigen, ſchaffigen Geiſt unſeres Knapp; die Bau⸗ und Ingenieurwiſſenſchaften, für welche die Verbindung mit der Univerſität dieſelbe Bedeutung haben muß, wie einſt für Medicin und Aſtronomie(denn ſie wurzeln in der Me⸗ chanik, einer phyſikaliſchen Naturwiſſenſchaft), ſind durch Herbeiziehung neuer Kräfte weſentlich gefördert worden, wie es der bedeutenden Zahl der Architekten an hieſiger Hochſchule entſpricht*), und es bedarf nur der geeigneten Localitäten und geringer finanzieller Beihülfe, um, in kluger Benutzung des bereits Vorhandenen, dieſelben vollkommen allen Anſprüchen genügen zu machen.

Ich will Ihnen an der Betrachtung der nächſtfolgenden Anſtalt, nämlich des botaniſchen Inſtituts, zu zeigen verſuchen, auf welche Weiſe mit der Zeit ſolches Ungenügen der alten Räume und Verhältniſſe eintritt, und warum es auch hier nöthig wird, fortzuſchreiten mit der fortſchreitenden Zeit und Neues unter neuen Verhältniſſen zu ſchaffen. Was zunächſt den Garten**) betrifft, ſo mögen Sie ſelbſt beurtheilen, wie weit er im Stande iſt. Der Kenner erſieht aus der ganzen Art eines ſolchen Inſtituts auf den erſten Blick, was der Dirigent für Zwecke verfolgt. Im Intereſſe der Fernerſtehenden ſei hier daher nur kurz erwähnt: nicht die Naſ ſe der Pflanzen kann die Aufgabe eines kleinen Unterrichts⸗Gartens des Binnenlandes ſein, ſein Ziel iſt naturgemäß ein anderes Sorgfältigſte und umſichtige Auswahl iſt hier erſter ökonomiſcher Grundſatz; jede Pflanze muß ihre Stelle verdienen; jede einem beſtimmten Zwecke entgegen⸗ kommen. Endlich ſollen alle Richtungen der ſyſtematiſchen, der phyſiologiſchen und geographi⸗ ſchen Botanik das nothwendige, aber auf das Weſentliche beſchränkte, Material zur Verfügung haben. Wie alle Naturwiſſenſchaften, ſo iſt auch die Botanik in der neueren Zeit mehr und mehr eine experimentirende geworden; und ich glaube, man beurtheilt einen Garten von der Natur und Größe des unſerigen richtiger nach der Zahl und dem Werthe der dort ausgeführten Culturverſuche, als nach der Menge und der Mannigfaltigkeit der dort cultivirten Pflan⸗ zen. Daß aber hierzu Arbeitskräfte in reichem Maße disponibel ſein müſſen, und zwar zum weſentlichen Theil auch ſolche von einer weit höheren Qualität, als etwa gering beſoldete Tage⸗ löhner ſie bieten, liegt wohl für Jeden klar auf der Hand.

*) Die Zahl der Architektur⸗Studirenden ſchwankt von 13(1843) auf 21(1847); ſie ſinkt dann auf 1 (1854) und ſteht jetzt, höher wie je zuvor, auf 27. Jenes auffallende Sinken iſt veranlaßt durch Ueber⸗ füllung des Faches. Nachtheilig wirkte auch eine vorübergehend verſuchte und nicht probat gefundene Aenderung des Vorbildungsganges dieſer Claſſe von Technikern: die(vom 18. April 1832 Ende 1854; Reg.⸗B. Nr. 43. 1853) üblich gewordenen ſ. g⸗ſpeciellen Examina, denen wir es verdanken, daß eine große Anzahl unſerer Beamten im Baufache niemals die Univerſität beſucht hat, vielmehr mit der unzurei⸗ chendenhöheren Gewerbſchule, welche in Darmſtadt beſtand, ſich begnügte.

**½) Angelegt 1609.