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hohem Werthe ſein muß, wenn der Betreffende das Ferment des Denkens, der Kritik und der Wiſſenſchaft in ſich aufgenommen hat; ſo iſt es nur ein Schritt weiter, der ſpäter oder früher nothwendig geſchehen muß, daß man ihn zur Hochſchule dirigirt. Denn ihr Weſen, was ſie von jeder andern Schule unterſcheidet, beſteht nicht nur in der univerſaliſtiſchen Geiſtesanregung auf der einen Seite, ſondern ebenſoſehr auf der andern Seite darin, daß hier— und hier allein— die Lehrer Specialiſten ſind, d. h. nur Eine Sache betreiben, aber dieſe auch ganz, correct und gründlich.
Was das pharmakologiſche Inſtitut betrifft, ſo iſt dieſe Anſtalt in neuerer Zeit ſo oft öffentlich beſprochen worden, daß ich nur kurz darauf hinzudeuten habe. Sie braucht, wie keine, das Licht der Oeffentlichkeit zu ſcheuen. Es iſt dort, wie ich aus eigener und genauer Prüfung ſagen kann, mit den gegebenen Mitteln*) in wenigen Jahren aus Nichts eine wahre Muſterſammlung entſtanden. Und es iſt dankend anzuerkennen, wenn hier, wie bei manchen andern Inſtituten, ſeitens der Verwaltungsbehörde eine möglichſt freie Verwendung der gegebenen Mittel geſtattet wurde. Denn nicht mit ängſtlicher Aufſicht fördert man das wahrhaft Erſprießliche; der Mann, der wirklich Gutes zu ſchaffen gedenkt, wird gelähmt, wenn er ſich mißtrauiſch beobachtet ſieht. Und mag man auch in einem beſonderen Falle— und dieß gilt von allen Inſtituten— über dieſe oder jene beſonders bevorzugte Richtung des einen oder des anderen Dirigenten perſönlich ab⸗ weichender Meinung ſein: immer ſollte man eingedenk ſein, daß Freiheit und Selbſtbeſtimmung die Grundbedingung jedes fröhlichen Schaffens ſind. Seien wir vorſichtig, ja ängſtlich in der Wahl; aber gewähren wir dem einmal Gewählten mit warmen, offenen und freigiebigen Händen zugleich unſer ganzes Vertrauen.— Als Curioſum will ich übrigens hier anführen, daß dieſe Anſtalt von denen, für die zumeiſt ſie ihrer Natur nach beſtimmt iſt, den Pharmaceuten nämlich, ſo gut wie nicht benutzt wird. Wir werden wohl ſo ziemlich der einzige Staat in Deutſchland ſein, wo man akademiſche Studien für dieſe Claſſe der Staatsbürger nicht nothwendig findet, wo ein eigentlich wiſſenſchaftliches Examen, nämlich auf der Univerſität, mit ihnen gar nicht vorgenommen wird.
Die mineralogiſchen Sammlungen kennen Sie; innere Schönheit und ſolider Beſtand rivaliſiren mit unzweckmäßiger Aufſtellung und Vertheilung in 3 verſchiedene Localitäten unſerer Stadt; von denen die eine die ſo ſchon viel zu ſehr beengte U niverſitäts⸗Bibliothek auf empfindliche Weiſe einſchränkt. Sie wiſſen, daß dieſe ſeit Jahren ſchmerzlich empfundene Noth an paſſenden Räunlichkeiten, in Verbindung mit der gleichen Noth des ſonſt ſo blühenden und reich ausgeſtatteten Forſtinſtituts, das bekanntlich nur auf Miethe wohnt,— zu dem Plane geführt hat, demnächſt durch einen paſſenden Neubau auf eine bleibende und befriedigende Weiſe abzuhelfen. Ein Plan, für welchen in nicht genug anzuerkennender Weiſe auch unſer Stadt⸗ vorſtand bedeutende Opfer zu bringen bereit iſt, getragen von der Einſicht, daß das Wohl der Stadt und das Gedeihen der Univerſität unzertrennlich mit einander verbunden ſind. Eine Ein⸗
*) Dieſelbe verwendete von 1844 bis 1865(nach Abzug der Miethe für das Local der Sammlung) jähr⸗ lich 284 fl.


