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Ein Beitrag zur Geschichte der Hochschule zu Giessen : akademische Festrede zur Feier des hohen Geburtsfestes seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwigs III. am 9. Juni 1866 gehalten / von dem Rector der Landes-Universität Dr. Hermann Hoffmann, ordentlichem Professor der Botanik
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Ich wende mich nun, wo es gälte, die Lehrer der Gegenwart zu beſprechen, be⸗ ſcheiden aber mit innerem Stolze und Befriedigung, von dieſer Betrachtung ab, indem ich dieß einem Späteren billig überlaſſe; doch geſtatten Sie mir, meine Freude hier offen auszuſprechen, daß es mir vergönnt iſt, in einem Kreiſe von Männern zu wirken, wovon nicht Wenige zu den erſten Größen ihres Faches gehören. Aber ich will ſtatt deſſen mit Ihnen einen raſchen Blick auf die Hülfsmittel zum Unterrichte, insbeſondere die Inſtitute, werfen, die jenen und den Schülern hier am Orte jetzt geboten ſind. Wer die früheren Zuſtände unſerer Kliniken kennt, wer die ärmlichen Anfänge unſeres chemiſchen Laboratoriums, der zoologiſchen und anatomiſchen Inſtitute geſehen hat, und die gegenwärtige Beſchaffenheit dieſer Anſtalten damit zu vergleichen vermag, der wird mit Freude zugeſtehn, daß viel, ſehr viel geſchehen iſt, daß wir vielfach mit dem Beſten anderer Länder uns vergleichen und meſſen können. Aber nicht quieti⸗ ſtiſches Selbſtgenügen führt uns weiter;Sorgen und Gedanken ziemen dem Verſtändigen, ruhig und zufrieden iſt nur der Thor.(Fallmereyer). Und ſo ſehen wir denn etwas genauer zu, ob Alles iſt, wie es ſein könnte oder ſollte, ohne Scheu und ohne falſche Schonung; aber bleiben wir uns dabei bewußt, daß unſer Zweck nicht ſein kann, das mühſam erworbene Gute öffentlich herabzuſetzen, anſtatt lieber die kleinen Fehler zu verſchweigen; daß wir vielmehr bei einer ſolchen Unterſuchung keinen anderen Zweck haben können, als das Gute zu fördern, indem wir das öffentliche Intereſſe in Anſpruch nehmen, und unſere ferner ſtehenden Mitbürger auf⸗ fordern, zuzuſehen und aufzumerken, damit ſie ſich entſchließen mögen, Jeder nach ſeiner Stellung dazu beizutragen, daß es beſſer werde. Und ſo ſei denn hier zuerſt daran erinnert, daß es zu⸗

nächſt mit der Anatomie, dem Fundamente der mediciniſchen Bildung, grundſchlecht beſtellt 2*