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Gothofredus Antonii : akademische Festrede zur Feier des Stiftungsfestes der Großherzoglich Hessischen Ludewigs-Universität am 1. Juli 1881 / gehalten von Lothar Seuffert
Entstehung
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ſtand auf dem Platze, wo heute das von der Provinzial⸗Direction benutzte alte Gymnaſialgebäude ſteht. Im Anfang dieſes Jahrhunderts kam dieſes Haus durch die Senckenbergiſche Stiftung vorübergehend in den Beſitz der Landes⸗Univerſität.

Mehrere Berufungen nach anderen Orten lehnte Antonii ab. 1608 wurde ihm der durch des berühmten Valentin Förſter Tod erledigte Lehrſtuhl eines erſten Profeſſors der Juriſten⸗ fakultät zu Helmſtädt angetragen. Er gab der Vokation ebenſowenig eine Folge, als er ſich ſpäter zur Uebernahme der Stadtſyndikate von Lüneburg und Soeſt bewegen ließ.

Antonii hatte als akademiſcher Lehrer fortdauernden Erfolg. Insbeſondere wird von Zeitgenoſſen immer wieder ſeine Gewandtheit und Schärfe bei den Disputationen und die Klarheit ſeines Vortrags in den Vorleſungen gerühmt. Zweifellos iſt es Antoniis Perſönlichkeit, welcher Gießens Juriſtenfakultät ihre erſte Blüte verdankte. Sein Name war der Magnet, der aus⸗ wärtige Studenten in nicht geringer Zahl nach Gießen zog, einheimiſche feſthielt.

Von Seite ſeines ihm wohlgewogenen Landesherrn wurde Antonii vielfach in Staatsge⸗ ſchäften verwandt. Auch von kaiſerlichen Kommiſſionen, mit denen Antonii betraut wurde, be⸗ richten ſeine Biographen.

Aber ſchlimme Krankheit lähmte bald des Mannes Kraft. Im Jahre 1613 reiſte Antonii ſchon in leidendem Zuſtande im Auftrage ſeines Landgrafen an den Dresdener Hof. Von dort kehrte er nach glücklicher Erledigung der aufgetragenen Geſchäfte ſchwer krank zurück. Ende des⸗ ſelben Jahres ſollte er den Landgrafen zum Regensburger Reichstag begleiten. Rückſichten auf die erſchütterte Geſundheit zwangen Antonii, die Reiſe zu unterlaſſen. Vom Jahre 1615 an lag er ſchwer krank darnieder. Im Jahre 1617 wurde der aus altadeliger weſtphäliſcher Familie ſtammende Kurländer Theodor Reinkingk, welcher im Jahre 1616 in Gießen zum Doktor promoviert worden war, zur Aushilfe für Antonii als professor extraordinarius in die Fakultät aufgenommen 1¹¹).

Nach dreijährigem, ſehr ſchmerzhaftem Krankenlager ſtarb Antonii am 16. März 1618, im ſiebenundvierzigſten Jahre ſeines Lebens. Von acht Kindern, mit denen ſeine Ehe geſegnet war, überlebten ihn vier Söhne und zwei Töchter.

Antonii's litterariſche Produktion 12) begann im zweiten Jahre ſeiner Univerſitätsſtudien mit einer Diſſertation de iudiciis et foro competente. Nach einer Arbeit über den Kalumnieneid erſchien 1603 das Hauptwerk ſeines kurzen Lebens, fünfzehn ſyſtematiſch geordnete, unter einander zuſammenhängende, umfangreiche Disputationen über das Lehenrecht, welche zuſammen ein voll⸗ ſtändiges Kompendium des Lehenrechts und des Lehenprozeſſes repräſentieren. Dieſe Disputationen wurden zu wiederholten malen aufgelegt und noch im Jahre 1726 mit Zuſätzen verſehen unter dem TitelIus feudale Gothofredi Antonii von Sam. Stryk herausgegeben. Seit der Ueber⸗ ſiedelung Antonii's nach Gießen veröffentlichte er nur kleinere Disputationen, teils civilrechtlichen, teils prozeſſualiſchen, teils ſtaats⸗ und völkerrechtlichen Inhalts. Von einer Serie ſolcher Dispu⸗ tationen, welche als Streitſchriften wider Hermann Vultejus erſchien, werde ich noch beſonderen Bericht erſtatten. Nach Antonii's Tod veröffentlichte deſſen Sohn Wilhelm eine nachgelaſſene