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Gothofredus Antonii : akademische Festrede zur Feier des Stiftungsfestes der Großherzoglich Hessischen Ludewigs-Universität am 1. Juli 1881 / gehalten von Lothar Seuffert
Entstehung
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Gothofredus Antonii wurde geboren im Jahre 1571 zu Freudenberg, einem kleinen weſt⸗ phäliſchen Städtchen im jetzigen Siegener Kreiſe. Sein Vater Peter Antonii war Goldſchmied und Schenkwirt. Die Mutter Antonii's war die Tochter eines Bürgermeiſters Fiſcher von Minden. Gothofredus oder wie er als Knabe wahrſcheinlich hieß Gottfried erhielt ſeinen erſten Unterricht auf den Schulen zu Unna und Hamm. Elf Jahre alt bezog er das Gymnaſium zu Soeſt. An dieſem Gymnaſium ſtudierte auch ein älterer Bruder Gottfrieds, der den jüngeren in Aufſicht und Unterricht nahm, bald aber von dieſem überflügelt wurde.

Als Antonii kaum zwölf Jahre alt war, wurde der frühreife Knabe von einem Herrn von Thal als Lehrer für deſſen zwei Söhne engagiert und fand in deſſen Familie freundliche Aufnahme. Zwölf Jahre lang blieb er zu Soeſt in dieſer Stellung, feſtgehalten durch die Ausſicht, nach Beendigung der Gymnaſialſtudien der Söhne des Herrn von Thal gemeinſam mit dieſen auf die Univerſität zu ziehen. Während dieſer ganzen Zeit beſuchte Antonii als Schüler das Soeſter Gymnaſium und erwarb ſich daſelbſt das mehr als gewöhnliche Maß klaſſiſcher Bildung, von dem ſeine juriſtiſchen Schriften Zeugnis geben.

In der Gymnaſialzeit ſchon begann er mit juriſtiſchen Studien, las die römiſchen Geſetze und rechtswiſſenſchaftliche Werke und übte ſich mit von der Univerſität heimkehrenden Studenten in juriſtiſchen Disputationen. In der Kunſt des Disputierens ſoll Antonii es ſchon in dieſer Zeit weit genug gebracht haben, um zu Soeſt in öffentlichen Disputationen mit Erfolg aufzutreten.

Dreiundzwanzig Jahre alt bezog Antonii im Jahre 1594 die Univerſität Marburg in Gemeinſchaft mit den zwei Söhnen des Herrn von Thal und ſchrieb ſich daſelbſt für das Studium der Rechtswiſſenſchaft ein. Die Marburger Juriſtenfakultät ſetzte ſich damals zuſammen aus dem Kanzler der Univerſität Hermann Lersner¹), dem in der Blüthe ſeiner Jahre ſtehenden professor primarius Hermann Vultejuss), dem Inhaber der Pandektenprofeſſur Philipp Matthäuss) und dem professor institutionum Johannes Göddäuso).

Es wird uns von neidiſchen Anfeindungen berichtet, denen Antonii in den erſten Jahren ſeines Marburger Aufenthalts ausgeſetzt geweſen ſein ſoll. Höchſt wahrſcheinlich hingen dieſe Anfeindungen damit zuſammen, daß Antonii gleich bei ſeinem Auftreten in Marburg, als er ſelbſt noch Vorleſungen kaum zu hören begonnen hatte, anfing, Privatvorleſungen und Disputationen zu halten. Daß Studierende dergleichen unternahmen, entſprach der Sitte jener Zeit; daß es von den Profeſſoren nicht immer gerne geſehen wurde, iſt natürlich. In Marburg wurden damals die Disputierübungen mit ganz beſonderem Eifer gepflegt. Vultejus hatte dieſelben in jüngeren Jahren in Schwung gebracht. Dann hatte Hieronymus Treutler deren Leitung über⸗ nommen und bedeutende Erfolge damit erzielt 5). Im Jahre 1594 war Treutler als Syndikus der Stadt Bautzen von Marburg abgegangen). Antonii fand das Feld frei und occupierte das⸗ ſelbe. Raſch gelang es ihm, als Leiter von Disputierübungen Beliebtheit und Anſehen unter den Kommilitonen ſich zu verſchaffen und ſo in Marburg feſten Fuß zu faſſen.

Am 1. November 1596 erwarb Antonii die juriſtiſche Doctorwürde. Damit hatte ſeine Lehrthätigkeit die officielle Beſtätigung erlangt. Am Tage ſeiner Promotion ſchloß er den Ehe⸗