deutſchlands war und unter ſeinem großen Fürſten ent⸗ ſcheidend in den Gang der deutſchen Geſchichte eingegriffen hat, um dann wieder auseinanderfallend ein beſcheideneres Daſein weiterzuführen. Ich darf Ihnen nur in großen Fügen den Anteil zeigen, den unſere Stadt an den wechſelvollen Geſchicken des Landes, das ſeit 1265 ihr Hoheitsland war, genommen hat. Es wird hierbei zutage treten, wie groß ihr Wert auf militäriſchem, politiſchem und geiſtigem Gebiet für Heſſen geweſen iſt.
In die Augen ſpringt zunächſt ihre militäriſche Wich⸗ tigkeit, die den Hauptanlaß zu ihrer Erwerbung gegeben hatte. Wohlbefeſtigt, an zwei Furten der Lahn und an der Kreuzung wichtiger Handelsſtraßen gelegen, hat ſie mehr als einmal dem Anſturm feindlicher Heere ſtandhalten müſſen. In den fortdauernden Kämpfen mit Mainz, die erſt im 15. Jahrhundert ihr Ende erreichten, ſchützte ſie die Süd⸗ grenze Heſſens. Einmal(1527) fiel ſie auch vorübergehend in Feindeshand. In den Sternerkriegen des 14. Jahrhunderts war ſie den Landgrafen ein wertvoller Stützpunkt. Zu voller Bedeutung als Hauptwaffenplatz des Landes gelangte ſie unter Philipp dem Großmütigen, der ſie zur regelrechten Feſtung machte. Als ſolche ſpielt ſie in den zahlreichen Fehden dieſes Fürſten eine hervorragende Rolle, von hier aus betrieb auch Philipp einen Teil der Rüſtungen zum Schmalkaldiſchen Krieg. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt nicht einmal ernſtlich belagert, vielleicht, weil ſie für dieſe Feit ſehr ſtark war. Um ſo ſichereren Schutz bot ſie den Bewohnern der Umgegend, die ſich vor den durchziehenden Heeren in ihre Mauern geflüchtet hatten. Im 18. Jahrhun⸗ dert wurde ihre Fortifikation vernachläſſigt, ſie bot Belage⸗
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