von Tübingen, geteilt hatten. Den Tübingern war durch Mechthild, die einzige Tochter der auf Gießen bewittumten Gräfin Salome von Gießen und des einen der beiden letzten Grafen von Gleiberg, die Herrſchaft Gießen zugebracht wor⸗ den. Sie umfaßte außer der Burg und der Stadt zu den Gießen: einige jetzt ausgegangene Dörfer in der näheren Umgebung(Selters, Kropbach, Achſtadt, Diedelshauſen, Weigandshauſen), ſodann Großenlinden, Linnes und Wie⸗ ſeck, den Hangelſtein, das Gericht Steinbach und Teile des Wieſecker Waldes mit Schiffenberg. Fur Mitgift der Grä⸗ fin Mechthild gehörte außerdem ihr Anteil an der Stamm⸗ burg Gleiberg und an dem ſog.„gemeinen(d. i. gemein⸗ ſamen) Land“ an der Lahn, der Gegend um die Dörfer Heuchelheim, Kinzenbach, Rodheim, Fellingshauſen, Krof⸗ dorf uſw. Dem tübingiſchen Herrn war die von ſeinen heimatlichen Landen weitab liegende Herrſchaft ein un⸗ bequemes Gut, das er umſo lieber veräußern mochte, als er immer geldbedürftig war; für die beiden rivaliſierenden Parteien aber mußte ſie unter dieſen Umſtänden eine er⸗ ſtrebenswerte Erwerbung ſein. Der einen bedeutete ſie einen Stützpunkt auf dem Wege vom Khein nach ihren zer⸗ ſprengten Exklaven zwiſchen Lahn, Ohm und Schwalm und an der Eder um Fritzlar, für Heſſen konnte ſie ein Bollwerk an ſeiner ſeither wenig oder garnicht geſchützten Südgrenze gegen Naſſau und Mainz werden, namentlich, wenn es dem Landgrafen gelang, auch die zahlreiche Burg⸗ mannſchaft für ſich zu gewinnen. Daß auch der Graf von Naſſau ſein Augenmerk auf die ihm ſo nahe gelegene Herr⸗ ſchaft gerichtet hatte, dürfen wir bei ſeinen engen Be⸗ ziehungen zu Mainz ohne weiteres annehmen.
13


