Druckschrift 
Hessen und die Erwerbung Gießens vor 650 Jahren (1265) : Vortrag gehalten in der Fest-Sitzung der Stadtverordneten der Stadt Gießen am 29. September 1915 / von Karl Ebel
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen

herleiten. Das Haus Brabant iſt eines der älteſten aller europäiſchen Fürſtengeſchlechter.

Heinrichs II. und Sophiens Sohn war Heinrich das Kind, in deſſen Intereſſe der Herzog die Anſprüche ſeiner Gemahlin auf das Erbe der thüringiſchen Landgrafen geltend machte. Unmittelbar nach dem Tode Heinrichs Raſpe begab er ſich im Mai 1247 in den Oberlahngau und durchzog Heſſen bis nach Hersfeld, Beziehungen anknüpfend, Schen⸗ kungen und Privilegien beſtätigend. Raum in ſeine Heimat zurückgekehrt, ſtirbt er im Februar des folgenden Jahres.

Das von dem Gatten begonnene Werk nahm Sophie mit Klugheit, Umſicht und Tatkraft auf, und ihr allein iſt es zu danken, daß dem dreijährigen Söhnchen das Erbe ge⸗ rettet wurde. Ohne Fögern machte ſie ſich wenige Wochen nach dem Tode des Herzogs auf den Weg nach Heſſen, ergriff Beſitz und ließ ſich huldigen.

Ueber den Umfang ihrer Anſprüche ſind wir nicht genau unterrichtet, jedenfalls nahm ſie nur Heſſen, die Statt⸗ halterei der zweitgeborenen ludowingiſchen Prinzen, ſowie die Wartburg mit Teilen der alten thüringiſchen Erbgraf⸗ ſchaft in Beſitz. Die übrigen thüringiſchen Allode hat ſie Heinrich dem Erlauchten von vornherein überlaſſen. Hein⸗ rich hinderte ebenfalls Sophie keineswegs in der Beſitz⸗ ergreifung. Das Verhältnis beider zueinander war durch⸗ aus freundſchaftlich, ſo freundſchaftlich, daß Sophie, als im Jahre 1250 ihre Anweſenheit in Brabant nötig wurde, dem Markgrafen mit dem Schutz ihres Gebietes auch die Vor⸗ mundſchaft über ihren kleinen Sohn übertrug. Es war der gemeinſame mainzer Feind, der beide Parteien zuſammen⸗ brachte.

7