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geben wollen. Daran ist aber wohl nicht zu denken. Denn der Byzantinismus, der in der Folgezeit dem kaiserlichen Hofe das Gepräge verleiht, lag unter Augustus noch in den Windeln, und das Privat- und politische Leben des Herrschers bot keinen Anlaß zur Unzufriedenheit. Die Gründe der alexanderfeindlichen Darstellung des Trogus sind also in einer anderen Richtung zu suchen.
In seiner Abhandlung sagt Hoffmann(S. 45), die römische Rhetorik sei die ausgesprochene Gegnerin Alexanders geworden, weil sie in der neuen Monarchie der Hort des Republikanismus geworden sei. Dieses Urteil ist zweifellos richtig, wenn man davon absieht, daß hin und wieder die Rhetoren auch ein Wort der Anerkennung für Alexander gefunden haben. Ich möchte noch hinzufügen, daß die Wertsteigerung Alexanders durch die Griechen rund 50 v. Chr. das römische Nationalgefühl wach- rief und die römischen Rhetoren in ihrem absprechenden Urteil nur noch bestärkte. So wurde die Verurteilung des Makedonen- königs in den Rhetorenschulen ein beliebtes Schulthema. Wie jeder vornehme Römer besuchte auch Trogus die Rhetoren- schule. Von dort nahm er die abfällige Beurteilung Alexanders mit nach Hause und übertrug sie auf sein Geschichtswerk. Damit kam er einmal der damaligen Volksstimmung entgegen, die aus nationaler Eitelkeit gegen Timagenes und seinen An- hang protestierte, und zum andern befriedigte er die alten Re- publikaner, die mit der Neuordnung der Dinge unzufrieden waren und in dem Despoten Alexander ein Spiegelbild des Augustus erblicken mochten.
Ganz deutlich sehen wir den Einfluß der Rhetorenschule in dem politischen Exkurs des Livius, der von Effekthascherei trieft und sich in leere Kombinationen verliert. Man gewinnt bei der Lektüre den Eindruck, als ob Livius einen ehemals in der Rhetorenschule angefertigen Schulaufsatz aus der Schublade hervorgeholt und neu redigiert in sein Geschichtswerk eingestellt hat. Hier kommt das stolze Bewußtsein der römischen Macht und Herrlichkeit und der römische Egoismus und Haß gegen alles, was nicht römisch ist, so recht zum Ausdruck. Und ein Ausfluß dieses starken nationalen Empfindens ist auch die un-


