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Sieg um den andern erfochten hatte. Wie leicht mußte es ihm fallen, damals, als die römische Macht noch in den ersten An- fängen ihrer Entwicklung stand, im Falle eines Krieges mit Rom Sieger zu bleiben! Von politischer Bedeutung ist diese nationale griechische Bewegung nicht gewesen. Nur eine literarische Fehde mit den nationalgesinnten römischen Schrift- stellern hatte sie zur Folge.
Auf römischer Seite hat Acilius, um seinem nationalen Empfinden zu schmeicheln, Scipio über Alexander gestellt. Seine anfänglich günstige Beurteilung Alexanders hat Cicero in den Schriften seiner letzten Lebensjahre geändert. Dieser Ge- sinnungswechsel läuft zeitlich parallel der Wertsteigerung Alexanders durch das hellenische Literatentum. Sollte da nicht in Cicero der römische Patriotismus erwacht sein und seine Stellung zu Alexander verändert haben? Dann verstehen wir auch seine dringende Mahnung an die römische Jugend, nicht die laudationes Alexandri' und anderer griechischer Größen, sondern die Loblieder auf die eigenen Vorfahren zu lesen. Lege laudationes, Torquate, non eorum, qui sunt ab Homero laudati, non Cyri, non Agesilai, non Aristidi aut The- mistocli, non Philippi aut Alexandri: lege nostrorum hominum, lege vestrae familiae: neminem videbis ita laudatum, ut artifex callidus comparandarum voluptatum diceretur'.¹) Zum andern mag er seine verärgerte politische Stimmung über den erstarkenden Imperialismus Caesars, der sich weit von dem republikanischen Staatsideal Ciceros entfernt hatte, und dessen Alexanderfreund- lichkeit ihm nicht verborgen bleiben konnte, durch Herabsetzung des Alleinherrschers Alexander zum Ausdruck gebracht haben.*)
30 v. Chr.— 100 n. Chr. Die ungünstige Alexanderdar- stellung des Augusteers Trogus, der ausgeprägte Despotismus, den Alexander bei ihm verkörpert, könnte die Vermutung nahe legen, der Verfasser habe einen Fürstenspiegel seiner Zeit
¹) vgl. Cic. de fin. bon. et mal. II, 35, 116.*) Vielleicht ist Cic., de offic. I, 26, 90 im Anschluß an die turpitudo Alexanders ut recte praecipere videantur, qui monent, ut quanto superiores simus, tanto nos geramus summissius' mit Rücksicht auf Cäsar gesagt.


