Druckschrift 
Alexander der Große im Urteil der Griechen und Römer bis in die konstantinische Zeit / eingereicht von Franz Weber
Entstehung
Seite
97
Einzelbild herunterladen

97,

Anaximenes,¹) Anaxarchos, Choirilos und Agis, die sich der neuen Lebensart des Königs anzupassen wußten. Sie wandelten auf den Bahnen der Schmeichelei, die Kallisthenes ihnen vorgezeichnet hatte, weiter, hüteten sich aber, durch seine exemplarische Bestrafung abgeschreckt, Wünsche geltend zu machen, die am Hofe nicht genehm waren. Daazu verstanden sich diese Erz- schmeichler um so eher, als ihnen die reiche Huld des Fürsten keinen Grund zur Klage bot.)

Vornehmlich politische Beweggründe bestimmten die Rhetoren in Athen, die Führer des Volkes auf der Pnyx, in der Beurteilung Alexanders. Die Gegner der make- donischen Monarchie unter ihnen, Demosthenes, Hypereides u. a. haßten in ihm den Unterdrücker der griechischen Autonomie und suchten ihm zu schaden, wo sie nur konnten. Sodann mußten sie, wenn anders sie mit ihrer Parole Los von Make- donien' durchdringen wollten, schon von vornherein von Alexander den Nimbus der Unbesiegbarkeit hinwegnehmen, seine Schwächen und Laster aufdecken, seine Tugenden herab- setzen, mit einem Wort einen möglichst ungünstigen Eindruck von ihm zu erwecken suchen. Die Makedonenfreunde unter den Rhetoren, u. a. Aischines, bildeten das Gegengewicht zu dieser makedonenfeindlichen Bewegung. Unter ihnen befanden sich solche, die von dem makedonischen König Verwirklichung

keit und Kurzsichtigkeit hinsichtlich der wirklichen Pläne des Königs wider- spricht aber dem späteren energischen Auftreten des Kallisthenes, das ihn schließlich zu Fall brachte. Da lernen wir ihn als einen zielbewußten Mann kennen, der von dem einmal gesteckten Ziel sich nicht abbringen ließ und sich nicht scheute, durch Teilnahme an einer Verschwörung gegen das Leben des Königs der Erreichung seiner Pläne näher zu kommen. Daß reine Eitelkeit ihn auf die Seite der Opposition trieb, ist eine gewagte Hypothese; denn Arrian(IV, 10, 1 ff.) verbürgt sich nicht für die Nachricht, Kallisthenes habe geäußert, der König verdanke seinen Ruhm wesentlich ihm. F. Cauer, Philotas, Kleitos, Kallisthenes, Beiträge zur Gesch. Alex. d. Gr., Jahresb. f. kl. Phil. Suppl. XX S. 1 ff. leugnet jegliche makedonische Opposition und verwertet die Ermordung des Kallisthenes für eine ungünstige Charakteristik Alexanders. Dagegen sprechen aber die Nachrichten der antiken Historiker. Vgl. außerdem O. Jäger, Alex. als Regent, Preuß. Jahrb. LXX S. 68 ff ¹) vgl. Diog. Laert. V, 10. ²) vgl. Diog. Laert. V, 10; Horat. ep. II, 1, 232. Weber. 7