Alexanderbilder. Es ist besser, sich zu bescheiden. Wir ver- zichten deshalb im folgenden darauf einen Zusammenhang in den Urteilen aufzudecken, wir lassen sie nebeneinander stehen. Auf der Gewinnseite steht dafür größere Sicherheit.
336— 323. Einen leidenschaftlichen und energischen Vertreter seiner Anschauungen hatte Aristoteles in seinem Neffen Kallis- thenes, der auf seine Empfehlung hin am makedonischen Hofe eingeführt worden und Alexander nach Asien gefolgt war. Die panegyrische Tendenz seines Alexanderwerkes, das er wahr- scheinlich im Auftrage Alexanders während des Feldzuges ver- faßte, erklärt Hoffmann lediglich aus seiner Stellung als Hof- historiograph(S. 4 ff.). Mir aber scheint sie nur Mittel zum Zweck gewesen zu sein. Kallisthenes wollte dem Programm der Pan- hellenen zum Siege verhelfen, die in Alexander den griechischen Nationalhelden sahen. So erklärt sich auch das starke Hervor- treten der Hellenen. Die panegyrische Verherrlichung Alexanders und die beständigen Ermahnungen, seinen griechischen Aufgaben getreu zu bleiben, sollten aber ihren Zweck verfehlen. Immer mehr trat die Vorliebe Alexanders für orientalische Sitten und Gebräuche zutage. Die Lobeshymnen des Kallisthenes und seines Anhangs verstummten. Offener Tadel¹) trat an ihre Stelle. Und als er auch damit nichts erreichte, ließ er sich in eine Verschwörung gegen das Leben des Königs ein, die er mit seinem Leben büßen mußte. In der griechichen Nachwelt aber lebte sein Name als der des Märtyrers einer guten Sache fort.) An die Stelle des Kallisthenes traten Männer wie
¹) Aus seinem Geschichtswerk erfahren wir darüber nichts mehr. Das- selbe scheint, den frg. nach zu urteilen, mit der Schlacht bei Gaugamela aufgehört zu haben.*) J. Kaerst, Forschungen zur Geschichte Alex. d. Gr. 1887(Stuttgart) S. 78 ff. sieht in Kallisthenes nur das mechanische Werkzeug der Weltmachtspolitik Alexanders, die er nach der Schlacht bei Issus und der Einnahme Phoenikiens einschlug. Durch ihn habe er den Hellenen seine zukünftige Weltmachtstellung als eine auch von den hellenischen Göttern gewollte legitimieren lassen und die Opposition der Makedonen und ihres hervorragendsten Führers Parmenio gegen seine Persönlichkeit als kleinlich hinstellen wollen. In diesem Falle wäre Alexander der Urheber der national-griechischen Tendenz in dem Werke des Kallisthenes, und dieser wäre nur das Sprachrohr Alexanders gewesen. Eine derartige Unselbständig-
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