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Alexander der Große im Urteil der Griechen und Römer bis in die konstantinische Zeit / eingereicht von Franz Weber
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gehörigen der Schule selbst zu einem Königsthron zu verhelfen, so suchte man doch hin und wieder einen regierenden König zu einem stoischen Philosophenkönig zu bekehren oder wenigstens mit ihm zu verkehren. So empfiehlt Chrysippos dem Weisen für den Fall, daß er nicht König sein könne, den Verkehr mit Königen.¹) Persaios von Kition, von Zeno zusammen mit Philonides von Theben zum König Antigonos von Makedonien geschickt,²) wurde später von diesem zum Befehlshaber der makedonischen Besatzung auf der Burg zu Korinth ernannt.)

Sphairos vom Bosporos wurde von Kleanthes an den Hof des

Ptolemaios Philadelphos oder Euergetes) gesandt und zeichnete sich dort durch seine schlagfertigen Dienste aus.) Die Be- ziehungen zwischen der älteren Stoa und dem Königtum ihrer Tage sind also recht nahe gewesen. Warum sollte da nicht ein Stoiker für Alexander Worte der Anerkennung haben finden können, der in weit höherem Maße als irgend ein Diadoche und Epigone dem stoischen Staatsideal nahe gekommen war? Ein beglaubigtes Zeugnis der mittleren Stoa gibt es nicht. Es ist noch nicht erwiesen, daß der Vergleich, den Cicero in seiner Schrift de officiis'(I, 26, 90) zwischen Alexander und seinem Vater Philipp anstellt und zugunsten Philipps entscheidet, wirklich dem Panaitios angehört. Und wenn es erwiesen wäre, so gestattet dieser eine Fall noch kein generelles Urteil.

Kurz, wir sehen, es gibt keinen bestimmten Alexander- typus innerhalb der Philosophenschulen. Der Weg, den Hoffmann eingeschlagen hat, ist wohl gut und bequem zu gehen, aber er führt nicht zum Ziele, zu der Erkenntnis der Motive für die

¹) Stoic. vet. frg. III frg. 691: d ανο XOoονυσωππαο εν τ mττ meσσ Bicν ‧odela- e 16ν G᷑χ 66(( Eνονοα dνoειεα, éyee, Ioνμανανμνᷣνον dmν aðrijs deν oaατdς Sao⁴deuerr i, dovnuo, duμαᷣοεuα αοe va orgarsuosrar uerd Sαες, dos ν TGνκννινοοσOOD(dtͤlé ſZTnodhhe h Keᷣ Novrueos. Der letzte Satz kann nur den Sinn haben, daß der Weise auch zu einem un- gebildeten König gehen und ihn für die Grundsätze der stoischen Staats- lehre zu gewinnen suchen soll und nicht bloß zu einem, der in der*σεα schon Fortschritte gemacht hat. Von einem Widerspruch wie Plutarch ihn herausliest, kann keine Rede sein.*) Stoic. vet. frg. I frg. 439. ³) Ibid. frg. 442. ⁴¹) Vgl. Zeller, Philos. der Griech. III, 1 S. 38 Anm. 3.) Stoic. vet. frg. I frg. 624, 625.