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Alexander der Große im Urteil der Griechen und Römer bis in die konstantinische Zeit / eingereicht von Franz Weber
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kynischen Idealkönig ansehen. Eine ungünstige kynische Alexandertradition gibt es nicht.

Khnlich liegen die Verhältnisse bei den älteren Stoikern. Das einzige positive Urteil über Alexander von seiten der alten Stoa stammt von FEratosthenes. Unverhohlen verleiht hier der große Gelehrte seiner Bewunderung für den großen König Aus- druck. Gewiß ist Eratosthenes kein reiner Stoiker gewesen, hat sich aber in vielen grundlegenden Fragen ihrer Lehre an- geschlossen, so auch in der Lehre vom Kosmopolitismus. Sollte da nicht mit demselben guten Gewissen jeder andere strenge Anhänger der älteren Stoa gerade so gut wie Eratosthenes ein günstiges Urteil über den Weltenbeherrscher Alexander haben abgeben können? Besitzen wir auch kein unmittelbares Zeugnis ¹) dieser Art, so haben wir deshalb noch nicht das Recht, mit Hoffmann zu behaupten,die Anhänger dieser Schule hätten der Gestalt des Königs zum mindesten ver- ständnislos gegenübergestanden.

Im Gegenteil: Das Problem, welche Verfassung die beste sei, scheint in der älteren Stoa eifrig erörtert worden zu sein. Chrysippos hat für die Praxis den stoischen Idealkönig ge- schaffen, ²) der als unverantwortlicher Herrscher das Weltgesetz auf Erden repräsentiert, der die Realisierung der Ziele des Weltgesetzes anzustreben hat, und dessen innerstes Wesen die oogia' ausmacht.) Die Behandlung dieser Frage ist offenbar ein beliebtes Schulthema der älteren Stoiker nach Chrysippos gewesen. Wir kennen wenigstens die Titel einer Reihe von Schriften ot αοdeias')¹) Gelang es auch nicht, einem An-

¹) Ein indirektes, anerkennendes Zeugnis besitzen wir in dem Hauptsatz der Hαouuouevn oldreia. Vgl. J. ab Arnim, Stoic. vet frg. I frg. 262. uif kard oeis νεςι εα dννιμοωνι oυιιναεν, l0lςι εέμ̈αατοι dσυοοσμιέννο dοαᷣ⁵,

dAdd dντaαν deνςρᷣνς νωᷣεᷣ dura œ oliras, sle ε Slος ν νœe αον⁵s,

5Omα dyeε ννιυν νων Qαοιυωπσν ουνννεᷣρένπνισν) Stoic. vet. frg. III, frg. 690 693. ³) Ibid. frg. 617; 314. Außerdem vgl. Stob. ecl. II, 7 p. 108; Suidas, Baodela; Köhler, Sitzungsber. der Berl. Akad. 1891(1) S. 213; Kaerst, Studien zur Entwicklung und theoretischen Begründung der Monarchie im Altertum, München u. Leipzig 1898 S. 59 ff.) Hierher gehören Kleanthes (frg. 481); Sphairos vom Bospoxros(frg. 620); Persaios von Kition (frg. 435).