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UÜberzeugung von der Doktrin seiner Schule abweichen, eben weil er nicht Kathederphilosoph ist. Das ist in der Geschichte nichts Außergewöhnliches.
Schließlich ist Philosophie nicht Rechtsphilosophie. Inner- halb der kynischen Schule z. B. mögen manche auf die Rechts- philosophie Gewicht legen, andere behandeln sie dafür als etwas Nebensächliches.
Ein System wird aber erst gerechtfertigt durch die Tat- sachen. Diese dürfen nicht zugunsten eines Systems um- gebogen werden, das Schema muß vielmehr so gewählt sein, daß sie sich ihm zwanglos einfügen. Und die Tatsachen sprechen für uns, nicht für Hoffmann. Zunächst dürfen wir nicht vergessen: das Tatsachenmaterial für die Beurteilung Alexanders in den antiken Philosophenschulen ist äußerst dürftig. Die wenigen Nachrichten aber, die wir haben, er- weisen keinen bestimmten Alexandertypus für eine Schule. Hoffmanns Behauptung gar, Peripatos, Stoa und Kynismus hätten übereinstimmend in Alexander nur einen Tyrannen ge- sehen, steht ohne Beweis. Günstige Urteile über Alexander wider- sprechen ihr, und die ungünstigen genügen nicht zur Kon- struktion eines ungünstigen Alexandertypus oder lassen sich mit größerer Wahrscheinlichkeit anders erklären.
So erwächst z. B. das in einigen Punkten ungünstige Urteil des Aristoteles nicht aus seiner Staatsauffassung, wie Hoffmann meint, sondern ist in äußeren Momenten begründet, vor allem in der Ermordung seines Neffen Kallisthenes ¹) und
) Wilam owitz, Aristot. u. Athen I, 337 ist der Meinung, die grau- same Strafe des Kallisthenes habe zu der innerlichen Entzweiung beider Männer kaum etwas getan. Dem widerspricht die von Chares erhaltene Notiz(frg. 9), Kallisthenes sei sieben Monate lang als Gefangener im Heere mitgeführt worden*ςα έννν mνυνεο εo, adνo Aoοαπτοεπαoue. Diese Nachricht verdient umsomehr geglaubt zu werden, als Chares in seiner Stellung als eiouyyeleug über derartige Absichten des Königs besonders gut unterrichtet war. Wenn daher dem König daran gelegen war, Kallisthenes erst in Gegenwart seines Oheims abzuurteilen, mußte er von einer sofortigen Hinrichtung desselben üble Folgen in seinen Beziehungen zu seinem Lehrer befürchten.
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