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Alexander der Große im Urteil der Griechen und Römer bis in die konstantinische Zeit / eingereicht von Franz Weber
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Tod Alexanders sei es leider nicht dazu gekommen wäre Rom unterlegen; ja vor Alexanders Namen allein schon wären die Römer zurückgeschreckt und hätten sich ihm unterworfen. Und so verdankten sie ihre Machtstellung, die eigentlich die Griechen einnehmen müßten, nur dem Spiel der Tyche. Eine andere Frage, die sich jedoch bei dem gänzlichen Fehlen des Quellenmaterials nicht mehr sicher entscheiden läßt, ist, ob diese Alexanderpanegyrik in historischen, rhetorischen oder philoso- phischen Kreisen entstanden ist. Nur vermutungsweise möchte ich aussprechen, daß der Herd dieser Bewegung in den Rhetoren- schulen zu suchen ist. Dies beweist schon die hypothetische Fragestellung und die rhetorische Art und Weise, mit der Livius zu diesem Thema Stellung nimmt. Damit ist nicht gesagt, daß diese Panegyrik auf die Rhetorenschulen beschränkt blieb. Sie mochte von da aus auch in historische und philosophische Kreise eindringen, so daß also unter den levissimi Graeci' Rhetoren, Historiker und Philosophen gemeint sein können.

In der römischen Literatur liegen die Verhältnisse ähnlich. Erst im letzten vorchristlichen Jahrhundert lichtet sich das tiefe Dunkel, in das die ganze frühe römische Literatur die Komödie des Plautus und Terenz ausgenommen gehüllt ist. Uber ihr Verhältnis zu Alexander ist ein Urteil nicht mehr zu gewinnen. Sehr groß wird das Interesse eines Fabius oder Cassius aber kaum gewesen sein; kümmert man sich doch auch, vielleicht abgesehen von dem Volksbuch Alexander, in der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts v. Chr., in jener stürmisch er- regten Zeit der römischen Republik sehr wenig um Alexander. Nur hie und da, wenn sich gerade Gelegenheit bietet, gibt man ein Urteil über ihn ab. Unbekannt freilich ist der makedonische Welteroberer den römischen Imperialisten jener Tage nicht ge- wesen. Als Vorbild bis in die Kußerlichkeiten hat Alexander ihnen dienen müssen. Pompeius ahmte ihn von Jugend an nach, sogar im Schnitt des Haares, und ließ sich durch Theo- phanes von Mytilene als zweiten Alexander feiern,¹) Lukullus

¹) Sallust. hist. reliqu. III, SS: Sed Pompeius a prima adulescentia sermone fautorum similem fore se credens Alexandro regi, facta consultaque eius