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Alexander der Große im Urteil der Griechen und Römer bis in die konstantinische Zeit / eingereicht von Franz Weber
Entstehung
Seite
37
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Kapitel IV.

250 30 v. Chr. Der ältere Hellenismus und die römische Republik.

Nur in geringen Fragmenten ist uns, wenige Autoren aus- genommen, die Literatur dieses Zeitabschnitts erhalten. Dem- gemäß ist auch die Uberlieferung über Alexander außerst spär- lich. Aber auch so läßt sich der Satz aufstellen: Das lebhafte Interesse, das die überlebenden Zeitgenossen des Weltbeherr- schers seiner Person und seinen Taten entgegenbrachten, ist geschwunden. Größere Werke schreibt man kaum noch über ihn. Nur in gelegentlichen Notizen würdigt man ihn, haupt- sächlich in historischen Kreisen. Dagegen erlebt Alexander gegen Ende dieser Epoche um 50 v. Chr.¹) bei den Griechen eine Renaissance. Aber nur die Wirkung dieser Wertsteigerung des Makedonenkönigs läßt sich noch erkennen. In einem Ex- kurs im neunten Buch(c. 17 19) der römischen Geschichte polemisiert Livius gegen diese griechischen Alexanderpanegyriker, die levissimi Graeci', wie er sie nennt. Ihre Tendenz muß es gewesen sein, nach der Polemik des Livius zu schließen, den Glanz und die Herrlichkeit der römischen Macht zu verdunkeln. Dieses Ziel suchten sie durch die Behauptung zu erreichen, im Falle eines Krieges Alexanders mit Rom durch den frühen

a) Schon vorher sucht Mithradates Eupator(vgl. die Münzen, auf denen der Mithradateskopf dem Alexanders ähnlich gemacht ist), jener halbgriechische Asiat, durch den Hinweis auf seine vornehme Herkunft, die er väterlicher- seits auf Cyrus und Darius, mütterlicherseits auf Alexander den Großen und Seleukos Nikator zurückführt, Asiaten und Griechen zum Kampf gegen Rom zu begeistern(vgl. Justin. XXXVIII, 7, 1; Appian. Mithradat. 20). Alexander muß also damals im Orient etwas gegolten haben.