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Alexander der Große im Urteil der Griechen und Römer bis in die konstantinische Zeit / eingereicht von Franz Weber
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gibt er den Philotas den Makedonen zur Aburteilung, um sich vor seinen Umtrieben zu sichern.¹) Lediglich politische Not- wendigkeit macht ihn zum Mörder Parmenios.²) Nur der Ge- rechtigkeit gibt er freien Lauf, wenn er Kallisthenes zum Tode verurteilt.) In seiner Fürsorge für die wirtschaftliche Hebung seines Heimatlandes beabsichtigt er, eine Auslese der schönsten indischen Ochsen nach Makedonien zu schicken. ¹)

Ephippos. Ein widerliches Bild der roνρꝶ Alexanders hat Ephippos gezeichnet.) Unwillkürlich werden wir an die Märchen von 1001 Nacht erinnert. In seinem Palast glänzt und gleißt alles von Gold und Silber. In den Gärten, die den Palast umgeben, ist ein goldener Thron für den Herrscher auf- gestellt. Um ihn herum stehen Ruhebetten mit silbernen Füßen für seine Untergebenen. Hier erscheint der König in prächtigem Ornat und teilt seine Befehle aus. Zu Tisch kommt er im königlichen Gewand der Perser, ausgestattet mit den Attributen Zeus Ammons, der Artemis, des Hermes oder seines Ahn- herrn Herakles, gesalbt mit den ausgesuchtesten Salben, um- geben von Sklaven, die ihm fortwährend Weihrauch streuen. Im Weine schwelgend sitzt er unter seinen Freunden. Keiner von ihnen wagt ein Wort zu sprechen; tiefes Schweigen herrscht im Saale. Jeder fürchtet ein Opfer königlicher Tyrannei zu werden dρσοσρηννοoο ν au QφυQαέ*.)

Aristobulos. Im Gegensatz zu Ptolemaios hat Aristo- bulos*) mehr die Beschreibung von Land und Leuten bevorzugt.

¹) frg. 10. Die Darstellung bei Arrian ist an dieser Stelle etwas ver- schwommen.) frg. 10.) frg 13. 4⁴) frg. 15.) Ephippos war von Alexander zusammen mit dem Rhodier Aischylos als Gouverneur der make- donischen Besatzungen in Agypten zurückgelassen worden. Dort scheint er auch nach der Ernennung des Ptolemaios zum Präfekten von Agypten geblieben und persönlich bei der Bestattung Alexanders zugegen gewesen zu sein. Vgl. Jacoby, Ephippos 4 bei Pauly-Wissowa V, 2858, 35 ff.) frg. 3. 4. ²¹) Uber seine Glaubwürdigkeit hat man schon im Altertum gestritten. Arrian hat ihn neben Ptolemaios zur Hauptquelle gemacht, Lukian bezichtigt ihn der Lüge. Beide gehen zu weit in ihrem Urteil. Den richtigen Mittelweg hat E. Schwartz in seinem Artikel Aristobulos' bei Pauly-Wissowa ein- geschlagen. Eine Quelle ersten Ranges ist Aristobulos nicht. Dafür war er zu alt, als er schrieb; ferner hatte sich die Alexandergeschichte schon in