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Alexander kennen. Aber bei aller Anerkennung dieses edlen Verhaltens kann Nearchos es sich nicht versagen, ihn wegen seines phantastischen und romantischen Marsches durch die gedrosische Wüste zu tadeln, ist aber noch objektiv genug, auch die strategische Notwendigkeit dieses Zuges, die möglichst lange Konnexion der Entdeckungsflotte mit dem Landheere, als weiteren Grund für die Wahl dieses Weges hervorzuheben. ¹)
Polykleitos. Ein buntes Bild der üppigen Lebensweise Alexanders hat Polykleitos gezeichnet: er habe in einem goldenen Bette geschlafen, oft bis zum Morgen gezecht und sei überallhin von Flötenspielern und-spielerinnen begleitet worden.²) Nicht wunderlich, wenn er uns obendrein noch das Amazonenaben- teuer auftischt.*)
Ptolemaios. Hauptsächlich die kriegerischen Taten Alexanders hat sein vertrauter Freund Ptolemaios, der spätere König von Agypten, gewürdigt. Ein glänzendes Zeugnis seiner Glaubwürdigkeit hat ihm Arrian ausgestellt, der ihn, ohne ihn jedoch immer mit Namen zu zitieren, seinerAAeεαeννον υναe⁵ααισσ vorzüglich zugrunde gelegt hat,¹) da Ptolemaios auf dem Gebiet des Kriegswesens die einzige ihm zu Gebote stehende Autorität war. Mit großer Sachkenntnis und Objektivität hat Ptolemaios, soweit aus Arrian ersichtlich, sein Werk geschrieben, das gewiß auf offiziellen Berichten und eigenen Aufzeichnungen beruhte. Aber der Grundton seiner Schrift scheint doch warme An- erkennung und aufrichtige Bewunderung des militärischen Genies seines Königs gewesen zu sein. Damit steht auch seine sonstige Beurteilung Alexanders 5) im Einklang. Worte des Lobes findet seine Ritterlichkeit gegenüber der gefangenen persischen Königs- familie.) Unter der sichtlichen Huld der Götter eilt er zum Heiligtum Zeus Ammons.) Erst nach langem Zusehen über-
1) frg. 23. ²) frg. 8.*₰ frg. 6. ¹) Arrian., Anab. 1, 1. ³) Nur auf militärischem Gebiet war Ptolemaios Autorität. Wich er in andern Dingen von der Tradition ab, so wurde dies durch Beifügung seines Namens ver- merkt.) frg. 6.) frg. 7. An die Stellen der 2 Raben sind 2 Drachen getreten. Das Göttliche und Wunderbare dieses Zuges durfte er, der gött- liche Nachfolger Alexanders, nicht leugnen, auch wenn er selbst offiziell noch kein Gott war. Er befand sich in ähnlicher Lage wie Augustus nach der Vergöttlichung Cäsars.


