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Alexander der Große im Urteil der Griechen und Römer bis in die konstantinische Zeit / eingereicht von Franz Weber
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Hypereides einen Umschwung in der öffentlichen Meinung zu- gunsten Alexanders und Philipps angebahnt. Erst jetzt, unter dem Eindruck des angeblich grausamen Regimentes Antipaters, entdeckte man die wahre Natur dieser beiden großen Makedonen, ihre Größe und ihren Seelenadel. Recht treffend mag der Ver- gleich sein, den Plutarch zur Charakterisierung dieser athenischen Stimmung zieht, es sei ihm gegangen wie jenem phrygischen Bauer, der, als nach des Antigonos Tod seine Nachfolger eine harte Herrschaft auszuüben begannen, an einer Stelle grub und auf die Frage, was er da mache, zur Antwort gab:Ich suche den Antigonos. ¹)

Schriftsteller, die an Alexanders Zug teilnahmen.

Onesikritos. Noch unter der Regierung Alexanders hat Onesikritos, der Steuermann des Königsschiffs auf dem Indus, mit der Aufzeichung seiner dmπνμνν⁴μάνQν⁴α begonnen. Offenbar schrieb er für ein größeres Publikum. In bunten Farben und märchenhafter Weise hat er nach Art eines Seemanns die Auf- gabe durchgeführt, die er sich gestellt. Durch interessante geographische und ethnographische Einlagen, wunderliche Anek- doten und dergleichen mehr, weiß er den Leser in ununter- brochener Spannung zu halten.²) Da hat der wissensdurstige König unter seinem Kopfkissen außer einem Dolche stets eine von Axistoteles korrigierte Ausgabe der Ilias liegen.) Sein Ruhm und seine Größe veranlaßt die Königin der Amazonen Thalestris, ihn aufzusuchen.¹) Zu seiner Verherrlichung dient

¹) Plut., Phok. c. 29. ²) Wachsmuth(Einleitung in die alte Gesch. S. 569) nennt Onesikritos einenErzschwindler. In dieser allgemeinen Form stimme ich dem Urteil nicht bei. EinErzschwindler ist er nur in der romanhaften Detailmalerei. In dieser Hinsicht ist er einer von vielen. Sonst ist seine Glaubwürdigkeit nicht in dem Maße anzuzweifeln, wie man es bis- her getan. Denn von allen Alexanderhistorikern dieser Zeit stand er noch am meisten unter dem Eindruck der Autopsie, da er noch zu Lebzeiten Alexanders mit der schriftlichen Fixierung seines Werkes begann. Vgl. die gelegentliche Notiz von E. Schwartz Aristobulos' bei Pauly-Wissowa II, 914, 15 ff.) frg. 1. ¹) frg. 5. Onesikritos scheint der Erfinder dieser Anekdote zu sein, die Alexander offenbar als epischen Helden charakte-