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Alexander der Große im Urteil der Griechen und Römer bis in die konstantinische Zeit / eingereicht von Franz Weber
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schäftigte. Es wäre falsch, daraus Interessenlosigkeit der römischen Welt für den großen Eroberer zu erschließen. Das Gegenteil wird unsere Darstellung lehren. Aber des Curtius Alexander- buch muß allerdings dem Interesse der gebildeten Welt Genüge getan und ihrer Meinung über den Makedonenkönig entsprochen haben. Wir hören von keinem andern, zumal nicht von einem mit abweichendem Urteil.

Erst während der Regierung Trajans, des Alexander auf dem Throne der Caesaren, tauchen neue Darstellungen auf. Diesmal sind es, bezeichnend für den kosmopolitischen Charakter der Weltherrschaft dieses Kaisers, lediglich Griechen, die aus egoistischen Motiven in verständiger Benutzung der Zeitverhält- nisse die Alexanderfrage wieder anschnitten. Wir werden später sehen, wie es möglich war, daß in ihren Anschauungen so grundverschiedene Männer wie Plutarch und Dio von Prusa- sich eifrig dem Studium der Alexandergeschichte widmeten. Wieder etwa ein halbes Jahrhundert später erschien dann das für uns bedeutendste antike Geschichtswerk über Alexander, die Anabasis Arrians, die noch das Fundament der heutigen Alexanderforschung bildet.

In der Zeit zwischen 180 und 300 n. Chr., der Zeit der geistigen und politischen Zersetzung des Römertums, ver- schwindet Alexander so gut wie völlig aus der Literatur. Selbst die Renaissance, die der politische Alexander im Kaiserhaus der Severer feierte, war nicht mehr imstande, in diesem Sinne auch in der Literatur ihren Einfluß geltend zu machen. Nur Erwähnung verdient, daß gegen Ende dieser Epoche der Alexanderroman seinen endgültigen Abschluß fand und das Epos sich des großen Makedonen wieder bemächtigt.