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aus den aufsteigenden kalten Quellen des rund 18 km entfernten Queckborn, wo sich ein großes städtisches Pumpwerk befindet. Nauheim wird aus dem rund 35 km entfernten Lauter versorgt und gar Frankfurt aus den aufsteigenden Wassern des rund 40 kmuentfernten Provinzialwasserwerks Inheiden bei Hungen. Der unmittelbare Unter⸗ grund des ebenen Tales der Stadt Gießen ermög⸗ licht eine örtliche Wasserversorgung. Unter einer Decke von meist 2—3 mgrauen Schlickes finden sich wasserführende Lahnschotter von wenigen Metern Mächtigkeit. Sie liegen in der Lahnniederung etwa in 150m Meereshöhe auf Grauwacken und Tonschiefern und liefern daher nur wenig Wasser. In der Stadt selbst liegen diese trockenen Grau⸗ wacken und Tonschiefer, wie eine Bohrung bei der Brauerei Denninghoff zeigt, erst in 111m Höhe, so daß die Verhältnisse hier etwas günstiger sind. Aber auch hier tritt das eisenreiche Wasser in nicht sehr großer Menge auf. Bei Fundamentsgrün⸗ dungen muß man sich nach Möglichkeit hüten, durch den Schlick in die Lahnschotter hineinzukommen, da sonst Wasserandrang auftritt.
Auf den Grauwackenhöhen der Hardt und der Schönen Aussicht ist nur unter besonderen Um⸗ ständen eine Anlage von Brunnen möglich. Der Obere Hardthof mußte z. B. durch heraufgepump⸗ tes Grundwasser aus der Lahnniederung versorgt werden.
Der Mineralgehalt der Wasser des Vogelsberges ist zwar ein relativ hoher, besonders reich an Kalk und Kieselsäure, und weist 6—8 Härtegrade auf; aber eigentliche Mineralquellen, wie im Gebiete der Wetterau, sind nur wenige bekannt. Der Name des Seltersberges bei Gießen weist auf eine jetzt verschüttete Salzquelle hin. In der Gailschen Ton⸗ grube wurde wenige Jahre vor dem Kriege Salz⸗ wasser erbohrt. In Trais⸗Horloff treten noch jetzt kohlensäurehaltige Wässer auf. Früher befand sich hier sogar eine Saline.
Vergbau.
Oberhessen liefert den größten Teil der hessischen Bergwerkserzeugnisse und von diesen wieder ent⸗ stammt recht viel dem Kreise Gießen. Nach dem Verlust unserer großen Eisenerzvorräte in Lothringen steht Oberhessen jetzt unter den deutschen Eisenerz⸗ bezirken an vierter Stelle. Oberhessen stellt also ein Wirtschaftsgebiet dar, das über die Provinz hinaus Bedeutung besitzt. Reichssubventionen haben ge⸗ rade im letzten Jahre wieder ein neues Leben hervorgerufen. Eisenerze, Eisen⸗Manganerze, Braunkohlen und auch Aluminiumerze können ge⸗ wonnen werden. Nicht weniger als 1450 verliehene Bergwerksfelder werden in dem letzten amtlichen Verzeichnis von Oberhessen aufgeführt. Freilich waren 1925 nur 27 Bergwerke im Betriebe und von diesen liegen 8 im Kreise Gießen.
Eisenerze und Eisen⸗Manganerze. Eisen⸗ erze sind im westlichen Teile des Vogelsberges und am Rande des Rheinischen Schiefergebirges in großer Menge vorhanden. Das Mutungsblatt Gießen gibt innerhalb des Gebietes Gießen—Grün⸗ berg—Ostheim—Butzbach—Nidda rund 450 ver⸗ liehene Eisenerzfelder an. Nur ganz wenige Ge⸗ markungen gibt es, die ohne eine Mutung sind. Allerdings handelt es sich im Hauptteile um un⸗ bauwürdige Felder.
Im Jahre 1925 wurden in Oberhessen 168535 t Eisen⸗ und Eisen⸗Manganerz im Werte von rund 1,8 Mill. ¹] gewonnen. Rund 800 Menschen werden damit beschäftigt. Für 1926 werden die Ziffern eine erhebliche Erhöhung erfahren. Im November 1925 war im Eisenerzbergbau schon eine Belegschaft von 1078 Mann vorhanden. Die För⸗ derung ist über die Ziffern des Jahres 1925 hinaus einer großen Steigerung fähig. 1913 wurden rund 400 000 t Erz im Werte von 4,2 Mill. J, ge⸗ wonnen. Im Jahre 1917 und 1918 stieg die För⸗ derung sogar über 500000 t. Doch sind das freilich Kriegsleistungen, die in absehbarer Zeit nicht wies derkehren werden.
Unter den Eisenerzen muß man unter zwei Arten unterscheiden, das Eisen⸗Manganerz und den Basalteisensteinzletzterer ist in Deutsch⸗ land fast nur aus dem Vogelsberg bekannt.
Eisenmanganerze werden unmittelbar vor den Toren von Gießen in einem Betriebe ge? wonnen, der einst den größten Tagebau Deutsch“ lands darstellte, bis man zu einem ausgedehnten Tiefbau überging. Mehrere hundert Arbeiter werden hier jetzt wieder beschäftigt. Jedem Be⸗ wohner unserer Stadt sind die imposanten, kalk⸗ durchzogenen alten Tagebaulöcher des Gießener Braunsteinbergwerkes bekannt, die von der mehtr als achtzigjährigen ununterbrochenen Tätigkeit zahl⸗ reicher, fleißiger Bergleute Zeugnis ablegen. Der Name erinnert an die Zeit, als man nur die reinen Manganerze(Braunstein) gewann und die jetzt hauptsächlich geförderten mulmigen Eisen⸗Mangan“ erze noch nicht zu verwenden wußte. Es handelt sich hier um einen der größten Grubenbetriebe der näheren und weiteren Umgebung von Gießen. Am Rande des Rheinischen Schiefergebirges finden sich ähnliche Betriebe, z. B. in der Nähe von Pohl⸗Göns, Sie haben freilich geringere Bedeutung. ö
Eisenmanganerze desselben Typus finden sich auch an anderen Stellen Deutschlands und sonst ö noch auf der Erde. Eine Eigenheit Ober“ hessens stellen aber die Basalteisensteine dar, die in gleich ausgedehnter Weise sonst nirgends bekannt geworden sind. Daraus ergibt sich, daß sie nicht nur wissenschaftlich, sondern auch praktisch ö mancherlei Besonderes bieten. Sie liefern den Haupt teil der hessischen Eisenerzproduktion. Ein großer Teil der Felder liegt im Kreise Gießen.


