28 Abschnitt 1
Göns, Lollar, Allendorf a. d. Lda., Londorf, Dau⸗ bringen, Holzheim, Hattenrod und Steinberg, die dem Verband der oberhessischen Geflügelzucht⸗ vereine angeschlossen sind(Vorsitzender Jean Kolter, Bad-Nauheim). Die Zucht des Herrn Rübsamen, Gießen, besonders in Pekingenten, genießt Weltruf. Mustergültig ist auch die neu ein⸗ gerichtete Rasse⸗ und Leistungszucht des Tier⸗ zuchtinstitutes der Landesuniversität Gießen.
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Im Kreise Gießen lebt ein mit der Scholle fest verwachsenes, zähes, fleißiges, an dem Althergebrachten hängendes Bauernge⸗ schlecht, das sich jedoch den Neuerungen, die ihm Wissenschaft und Technik bieten, nicht verschließt. Deswegen hat die Landwirtschaft des Kreises Gießen die Schäden des Krieges, freilich in hartem Kampfe, überwunden und wir können die feste Hoffnung hegen, daß sie auch über die Krisis der Gegenwart erfolgreich hinwegkommt.
Die Bodenschätze des Kreises Gießen.
Von Dr. Hermann Harrassowitz, o. Professor der Geologie und Paläontologie Direktor des Geolog. u. Paläont. Instituts der Universität Gießen.
Die Provinz Oberhessen ist geologisch selten ein⸗ heitlich gebaut. Sie ist oberflächlich wesentlich von Basaltmassen des vulkanischen Vogelsberges zu⸗ sammengesetzt; diesen sind verfestigte Auswurfs⸗ produkte der damaligen Vulkane— Tuffe— bei⸗ gemengt. Nur am Rande des Vogelsberges sehen unter den Basalten tiefer liegende Gesteine heraus. So kommt es, daß der Kreis Gießen am West⸗ rande des Vogelsberges liegend und noch auf das anders gebaute Rheinische Schiefergebirge über⸗ greifend, einen geologisch mannigfaltigen Aufbau besitzt. Es finden sich Gesteine aus den geologischen Formationen Silur, Devon, Karbon, Perm, Trias, Tertiär, Diluvium, Alluvium.
Die Verbreitung der wichtigsten Gesteine und die Industrie der Steine und Erden.
Im äußersten Westen des Kreises finden sich am Rande des Rheinischen Schiefergebirges un— ruhig gelagerte, meist stark gefaltete Tonschiefer, Grauwacken, Sandsteine, Quarzite und Kalke, die zwischen Gießen und Butzbach noch auf mehrere Kilometer über die Bahnlinie Gießen— Frankfurt nach Osten hinausgreifen. Bei Gießen selbst ist die Hardt(Grauwacken) und der Selters⸗ berg wesentlich von ihnen zusammengesetzt, wäh⸗ rend der Nahrungsberg und die Höhe des Neuen Friedhofs aus den unten zu erwähnenden tertiären Sanden bestehen.
Vielfach geben die harten Gesteine, besonders die Grauwacken, Veranlassung zum Abbau in Stein⸗ brüchen, zur Verwendung als Baustein oder Schottermaterial. Besonderen Wert hat der Kalk, der bei Klein⸗Linden gebrannt wird. Oberhessen ist im Gegensatz zum benachbarten Preußen sonst arm an Kalkvorkommen.
Nördlich Lollar legen sich auf diese Gesteine rote Sandsteine. Da gute Werkbänke fehlen, ist der Steinbruchsbetrieb in ihnen fast ganz er⸗ loschen, während er in der Gegend von Marburg in höheren und besseren Lagen in dauernder Blüte ist.
Vom Lumdatal her, östlich an Lollar und Gießen vorbeiziehend, trifft man einen Komplex tertiärer feiner weißer Sande, heller Kiese und heller, oft auch bunter Tone. In den Sandgruben an der Marburger Straße oder am Schiffenberger Weg werden die Sande bei Gießen gewonnen. Vorüber⸗ gehend betriebene Sandgruben kann man auch sonst oft beobachten. Gern werden die hellen Kiese, die etwa im Gießener Stadtwald aufgeschlossen sind, zur Bestreuung von Wegen verwandt. Die Tone geben oft Veranlassung zu Rutschungen, wie man in der Gegend des Forstgartens und besonders am Eisenbahneinschnitt bei Klein⸗Linden immer wieder feststellen kann. In den Gailschen Ton⸗ gruben werden mächtige Tonlagen maschinell ab— gebaut und in einer größeren Fabrik verarbeitet.
Die Sande sind oft unregelmäßig zu Quarzit verkittet und werden an verschiedenen Stellen, 3. B. im Lumdatale, abgebaut. Zur Herstellung feuerfester Steine sind sie sehr gesucht und die im Gelände oft so auffällig hervorragenden Felsen und Blöcke werden durch den zunehmenden Abbau immer mehr zerstört. Schon der Mensch der älteren Steinzeit schätzte das schneidend harte Gestein zur Herstellung seiner Werkzeuge. Regelrechte Werk⸗ stätten dieser primitiven Kultur wurden in den Höhlen von Treis a. d. Lda. gefunden. Weite Ver⸗ breitung als Grenzstein hat auch der bunte Sand⸗ stein von Münzenberg gefunden, der dem Quarzit in seiner Entstehung verwandt ist.
Untergeordnet finden sich im Bereich der Tone und Sande außer den unten zu besprechenden
Braunkohlen Ocker und Seekreide, die bei
Wieseck bzw. Garbenteich gelegentlich gewonnen werden. Recht wertvoll ist die als Dynamitgrund⸗ masse und Isoliermaterial verwendbare Kieselgur, aus der Anhäufung kleiner pflanzlicher kieseliger Organismen entstanden, die bei Beuern immer wieder zum Abbau kommt. Ein weithin bekannter Gewinnungsort ist Altenschlirf bei Herbstein. Unmittelbar auf diese Sande und Tone der Tertiärzeit legen sich die Lavadecken des Ba⸗ saltes. Meist beginnen sie mit einer Steilkante, an deren Fuß oft Quellen austreten. Der Anstieg des Schiffenberges oder der Hohen Warte hängt


