Jahrgang 
1929
Seite
26
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26 Abschnitt 1

Fläche bewirtschaften. Der Kreis Gießen weist also eine gesunde Mischung von Klein⸗, Mittel⸗ und Großbetrieb auf, bei welcher der Zwerg⸗ und Großbetrieb zurücktritt. Was die Bodennutzung

anbetrifft, so entfallen auf 100 ha Gesamtfläche: 58,6 ha Ackerland, 1,2 ha Gartenland, 18,4 ha Wiesen, 0,8 ha Weiden, 18,2 ha forstwirtschaftlich benutztes Land und 2,8 ha sonstige Fläche. Wiese zu Ackerland verhält sich somit wie 1: 3, das

Wiesenverhältnis

ist günstig und bietet eine gute Grundlage für eine ausgedehnte Viehzucht. Das Ackerland

war im Jahre 1928 in der Hauptsache wie folgt bestellt: 3925 ha Winterweizen, 56e ha Sommer⸗ weizen, 4650 ha Roggen, 2747 ha Sommergerste, 4970 ha Hafer, 4292 ha Kartoffeln, 106 ha Zucker⸗ rüben, 2885 ha Runkelrüben, 2589 ha Rotklee und 318 ha Luzerne. Vergleichen wir hiermit den Anbau der verschiedenen Feldfrüchte im Kreise Friedberg, in welchen u. a. 8209 ha Winterweizen, 155 ha Sommerweizen, 1014 ha Zuckerrüben und 1648 ha Luzerne angebaut wurden, so erkennen wir deutlich, wie Boden und Klima den Anbau der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen beeinflussen. Die Anzahl der im Kreise gehaltenen

Pferde

ist gegenüber der Vorkriegszeit wesentlich gestiegen. Am 1. Dezember 1928 wurden 4701 Pferde gezählt, gegenüber 3894 im Jahre 1912. Leider ist das An⸗ wachsen der in der Landwirtschaft gehaltenen Pferde nicht auf einen größeren Wohlstand derselben gegen⸗ über der Vorkriegszeit zurückzuführen. Wir wissen, daß das Gegenteil der Fall ist. Viele, insbesondere auch kleinere Landwirte, haben sich, durch die billigen Ankaufspreise der Demobilmachungspferde verlockt, s. 3. Pferde zugelegt, und sind auch bis heute zum Schaden ihrer Rindviehzucht Pferde⸗ bauern geblieben. Wenn auch die Pferdezucht qualitativ den Stand der Vorkriegszeit noch nicht erreicht hat, so verdient doch anerkannt zu werden, daß es erfreulicherweise anhaltend bergauf geht. Es gibt wieder eine große Anzahl hervorragender Zuchtstuten des Belgier und Oldenburger Schlages, wovon man sich am besten gelegentlich der Prämiierungen auf den im Frühjahr und im Herbst stattfindenden Pferdemärkten in Gießen überzeugen kann. Der hessische Staat unterhält im Kreise zwei Hengststationen in Lich und Grünberg. Damit das Landgestüt in seinem der⸗ zeitigen Umfange erhalten werden kann, ist es dringend erwünscht, daß die Landwirte ihre guten

Stuten in größerer Zahl, wie seither, den Hengsten zuführen. Rindvieh

wird heute wieder in gleicher Zahl gehalten, wie in der Vorkriegszeit. Am 1. Dezember 1913 wurden 34 691, am 1. Dezember 1928 34685 Stück Rind? vieh gezählt. Die größeren Güter halten aus schließlich Niederungsvieh, das sie auch zum größten Teil selbst züchten. In den bäuerlichen Betrieben herrscht das hessische Fleckbieh in den günstigeren Teilen des Kreises vor, die Umgebung von Gießen, die Orte an der Bahnlinie Gießen⸗ Grünberg und die Umgebung von Grünberg halten zum großen Teil Vogelsberger Vieh. Allgemein läßt sich beobachten, daß in den geringeren Lagen des Kreises erfreulicherweise das alte, boden? ständige Vogelsberger Vieh wieder im Aufstieg begriffen ist. In den Hauptzuchtorten für Fleckvieh, Ober⸗Hörgern, Langsdorf und Leihgestern unter hält der Landwirtschaftskammer⸗Ausschuß Fleck vieh⸗Bullenstationen, in Grünberg eine solche fün Vogelsberger. Entsprechend den beiden vorhandenen Zuchtrichtungen gibt es zwei Rinderzuchtver

eine. Vorsitzender des Kreisrinderzuchtvereins für Fleckvieh ist Regierungsrat Dr. Braun⸗ Gießen(Geschäftsführer: Georg Schupp, Gießen,

Kaiserallee 3), die Herdbuchgesellschaft für Vogels

berger steht unter Leitung von Landwirtschafts

rat Trautmann, Direktor des Landwirtschafts amtes in Grünberg(Geschäftsführer: Ober? sekretär Philipp vom Landwirtschaftskammer⸗Aus schuß für Oberhessen in Gießen). In das Herdbuch

für Fleckvieh sind 769 Stück, in das Herdbuch für

Vogelsberger 646 Stück Vieh eingetragen. Um

den Landwirten, die meist keine Weiden anlegen können, es zu ermöglichen, ihr Jungvieh zweck mäßig und gesund heranzuziehen, unterhält der Landwirtschaftskammer⸗Ausschuß im Kreise Gießen zwei Jungviehweiden, Tiergarten bei Hungen (Geschäftsführer Wilhelm Stoll, Riedmühle bei Inheiden) und Warthof bei Grünberg(Geschäfts führer Generalsekretär Dr. Wagner, Gießen). Die bei dem Landwirtschaftskammer⸗Ausschuß ein gerichtete Zuchtviehvermittlungsstelle ist je derzeit in der Lage, verkäufliches Zuchtvieh, ins besondere auch Bullen der beiden anerkannten Rassen, nachzuweisen.

Auch die ö Schweinezucht

hat den Stand der Vorkriegszeit wieder eingeholl Am 1. Dezember 1927 wurden sogar rund 2000 Schweine mehr gehalten wie im Jahre 1913. Das Ueberangebot auf den Märkten im Jahre 1921 führte zu ungenügenden Preisen für Schlacht⸗ und

Zuchtschweine, wodurch sich die Schweinehalten allgemein veranlaßt sahen, ihre Bestände zu ver ringern. Im Kreise Gießen ging die Zahl der ge