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geführt hat, daß manches wertvolle Stück maga⸗ ziniert werden mußte.
Den Grundstock des Oberhessischen Museums bilden die Bestände aus der Vor⸗ und Früh⸗ geschichte, d. h. die durch Ausgrabung gewonne⸗ nen Altertümer der Stein⸗ und Bronzezeit, der Eisenzeit, der Römerherrschaft auf rechtsrheinischem Gebiet und der merovingisch-fränkischen Kultur⸗ periode. Man darf mit gutem Recht behaupten, daß unser Museum eines der reichsten an Altertümern dieser Art nicht nur in Hessen, sondern auch in Deutschland ist; sein Name hat in den Kreisen der Wissenschaft einen guten Klang. Denn es enthält die Funde eines begrenzten Raumes, nämlich Oberhessens, und verzichtet mit begründeter Ab⸗ sicht möglichst auf ein Zusammentragen von Alter⸗ tümern aus aller Herren Länder. Deshalb ist es auch wirklich das Museum der Heimat. Es ist natür⸗ lich, daß die nähere Umgebung der Stadt, also der Kreis Gießen, am besten vertreten ist; aber auch die anderen Kreise der Provinz, namentlich diejenigen am und im Vogelsberg, geben eine reiche Ergänzung und Erweiterung der Altertums⸗ bestände. Von den 81 Ortschaften des Kreises Gießen haben bis jetzt weit über 50 für das Ober⸗ hessische Museum Fundbeiträge geliefert; meistens handelt es sich nicht um Zufallsfunde, sondern um Stücke, die durch planmäßige und nach wissenschaft⸗ lichen Grundsätzen durchgeführte Ausgrabungen des Museums gewonnen worden sind. Hierhin ge⸗ hören die aus den Grabhügeln auf dem Trieb (Exerzierplatz), an der Sandgrube im Gießener Stadtwald(Straße Gießen—Rödgen) und im Zollstockwald erhobenen Funde, die von der Steinzeit bis in die fränkische Zeit reichen. Nicht minder ergiebig ist die Gemarkung von Leih— gestern, aus der schöne neolithische und hall⸗ stättische Fundstücke stammen; weltberühmt sind die dort entdeckten fränkischen Frauensärge aus Eichenholz, in denen bei den Skeletten reiche Bei⸗ gaben an Goldschmuck, Gefäßen, Gläsern und Perlen lagen; alles das hat einen hohen geschicht⸗ lichen und musealen Wert. Ferner lieferten die 40 Grabhügel im Vorderwald von Muschenheim soviel Material an Tongefäßen, Bronzen und anderen Stücken, daß ein ganzes Zimmer damit ausgestattet werden konnte. Ähnliche Erfolge brachten die Ausgrabungen in der Lindener Mark und im Lumdatale(Mainzlar und Allen⸗ dorf—Climbach); aus demselben Flußtal stam⸗ men die in den Quarzithöhlen von Treis a. d. Lda. gefundenen altsteinzeitlichen Geräte, die dem Ende der Eiszeiten angehören. Ebenso interessant sind die Funde von Eberstadt, Kastell Alteburg bei Kloster Arnsburg, Nieder-Bessingen und Ettingshausen, Langsdorf und Hungen, Villingen, Beuern, Lang⸗Göns und anderen Orten des Kreises Gießen.
Aber auch die anderen Teile der Provinz haben dazu beigetragen, den Wert der Altertumssamm⸗ lung zu erhöhen; wohl die schönsten Bronzefunde ergaben die zahllosen Grabhügel von Nieder⸗ Mockstadt, während aus der südlichen Wetterau Brandgräber der neolithischen Periode mit ihrem einzigartigen Steinkettenschmuck herrühren. Nen⸗ nen wir weiter Rainrod und Oberschmitten, Grebenau und Schwarz, Lauterbach, Dir— lammen, Ober-⸗Lais und Ortenberg, so sind damit nur einige von den vielen herausgehoben, die dem Gießener Museum das Recht verliehen haben, sich als Oberhessisches Museum zu bezeich⸗ nen. Je mehr ihm die Möglichkeit geboten wird, aus der ganzen Provinz Vergleichsmaterial zu gewinnen, um so besser wird es imstande sein, die Vor⸗ und Frühgeschichte unserer Heimat auf⸗ zuklären.
Aber auch dem Mittelalter und der Neuzeit ist im Museum Rechnung getragen; ein besonderes Augenmerk richten wir auf das aussterbende Handwerk und die frühere Hausindustrie: Weberei und Flachsbereitung, Knopf⸗ und Steck⸗ nadelmaschinen, Kattundruck und Uhrmacherei sind im Oberhessischen Museum vertreten; der Schmied und der Schuster, die Zünfte und die Landwirtschaft haben ihren Platz gefunden, eiserne Ofenplatten und ein ganzer Hirzenhainer Ofen aus dem Schloß in Gedern sind aufgestellt. Besondere Beachtung verdienen die Trachtengruppen und der hessische Bauernschmuck, sowie die reiche Sammlung wertvoller Stickereien, nicht zu vergessen der wohl ausgestatteten Bauern⸗ stube und des darin stehenden behäbigen Doppel⸗ betts. In zwei anderen Sälen erregen eine pracht⸗ volle Pfeifensammlung und schöne Por— zellane, Zinngerät und Gläser das Interesse des Kenners, während die Fayencesammlung namentlich mit Hanauer und Frankfurter Stücken reich besetzt ist, ohne daß Höchst, Flörs⸗— heim, Kelsterbach und andere Fabriken vernach⸗ lässigt wären; auch das Steingut(Marburg, Siegerland, Westerwald) hat Berücksichtigung gefunden. Ein anderer Raum ist als Kapelle her⸗ gerichtet: Taufstein, Orgel, Paramentenschrank und kirchliche Geräte schmücken ihn, eine gotische Madonna— wahrscheinlich aus dem Zisterzienser⸗ kloster Arnsburg—, eine Pietà, sowie Christus⸗ und Heiligenstandbilder geben ihm ein stimmungsvolles Gepräge; zwei wertvolle Epitaphien aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges von der Hand des Gießener Malers Becker zieren die Wände. Wenn wir von hier aus über den malerischen Burghof mit dem alten Ziehbrunnen und dem hübschen Keller⸗ hals— dabei betrachten wir die schöne Feuer⸗— spritze von Grüningen aus dem 18. Jahrhun⸗ dert— in den gegenüberliegenden Gang getreten sind, finden wir eine reichhaltige Sammlung von


