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Kreises sich in immer steigendem Maße der Rasse⸗ zucht zuwenden. Alljährlich stattfindende Geflügel⸗ ausstellungen bringen dies am besten zum Ausdruck. Im Kreise bestehen mehrere Geflügelzucht⸗ vereine, wie in Gießen, Grünberg, Lich, Hungen, Ober⸗Hörgern, Lang⸗Göns, Lollar, Allendorf a. d. Lda., Londorf und Steinberg, die dem Verband der oberhessischen Geflügelzuchtvereine angeschlos⸗ sen sind(Vorsitzender Jean Kolter, Bad⸗Nau⸗ heim). Die Zucht des Herrn Rübsamen, Gießen, besonders in Pekingenten, genießt Weltruf. Muster⸗ gültig ist auch die neu eingerichtete Rassegeflügel⸗ zucht des Tierzuchtinstitutes der Landes⸗ universität Gießen. ** Im Kreise Gießen lebt ein mit der Scholle
fest verwachsenes, zähes, fleißiges, an dem Althergebrachten hängendes Bauernge⸗
schlecht, das sich jedoch den Neuerungen, die ihm
Wissenschaft und Technik bieten, nicht verschließt. Deswegen hat die Landwirtschaft des Kreises Gießen die Schäden des Krieges, freilich in hartem Kampfe, nahezu überwunden und wir können die feste Hoffnung hegen, daß sie auch über die Krisis der Gegenwart erfolgreich hinwegkommt.
Die Bodenschätze des Kreises Gießen.
Von Dr. Hermann Harrassowitz, 0. Professor der Geologie und Paläontologie Direktor des Geolog. u. Paläont. Instituts der Universität Gießen.
Die Provinz Oberhessen ist geologisch selten ein⸗ heitlich gebaut. Sie ist oberflächlich wesentlich von Basaltmassen des vulkanischen Vogelsberges zu⸗ sammengesetzt; diesen sind verfestigte Auswurfs⸗ produkte der damaligen Vulkane— Tuffe— bei⸗ gemengt. Nur am Rande des Vogelsberges sehen unter den Basalten tiefer liegende Gesteine heraus. So kommt es, daß der Kreis Gießen am West⸗ rande des Vogelsberges liegend und noch auf das anders gebaute Rheinische Schiefergebirge über⸗ greifend, einen geologisch mannigfaltigen
Aufbau besitzt. Es finden sich Gesteine aus den
geologischen Formationen Silur, Devon, Karbon,
Perm, Trias, Tertiär, Diluvium, Alluvium.
Die Verbreitung der wichtigsten Gesteine und die Industrie der Steine und Erden.
Im äußersten Westen des Kreises finden sich am Rande des Rheinischen Schiefergebirges un⸗ ruhig gelagerte, meist stark gefaltete Tonschiefer, Grauwacken, Sandsteine, Quarzite und Kalke, die zwischen Gießen und Butzbach noch auf mehrere Kilometer über die Bahnlinie Gießen— Frankfurt nach Osten hinausgreifen. Bei Gießen
U selbst ist die Hardt(Grauwacken) und der Seltstert berg wesentlich von ihnen zusammengesetzt, wlalt rend der Nahrungsberg und die Höhe des Neun d Friedhofs aus den unten zu erwähnenden tertiälsez Sanden bestehen. am
Vielfach geben die harten Gesteine, besonders Ped Grauwacken, Veranlassung zum Abbau in Steier; brüchen, zur Verwendung als Baustein odern Schottermaterial. Besonderen Wert hat der Kidioꝛ der bei Klein⸗Linden gebrannt wird. Oberhessen es ch im Gegensatz zum benachbarten Preußen sonst aleba an Kalkvorkommen. mu
Nördlich Lollar legen sich auf diese Gestelie rote Sandsteine. Da gute Werkbänke fehläh ist der Steinbruchsbetrieb in ihnen fast ganz erfa loschen, während er in der Gegend von Marbbroß in höheren und besseren Lagen in dauerm Ue Blüte ist. kreit
Vom Lumdatal her, östlich an Lollar und Giesie vorbeiziehend, trifft man einen Komplex tertiöhe feiner weißer Sande, heller Kiese und heharbi oft auch bunter Tone. In den Sandgruben an Trie Marburger Straße oder am Schiffenberger Nllter werden die Sande bei Gießen gewonnen. Vorüler gehend betriebene Sandgruben kann man oatied sonst oft beobachten. Gern werden die hellen Kilinde die etwa im Gießener Stadtwald aufgeschloaf sind, zur Bestreuung von Wegen verwandt. 31 Tone geben oft Veranlassung zu Rutschungen, lere man in der Gegend des Forstgartens und besondieß am Eisenbahneinschnitt bei Klein⸗Linden imurub wieder feststellen kann. In den Gailschen Lomi gruben werden mächtige Tonlagen maschinell seor gebaut und in einer größeren Fabrik verarbei
Die Sande sind oft unregelmäßig zu Qual verkittet und werden an verschiedenen Stell Er z. B. im Lumdatale, abgebaut. Zur Herstelliie feuerfester Steine sind sie sehr gesucht und die neif Gelände oft so auffällig hervorragenden Fessar
und Blöcke werden durch den zunehmenden Abldöd
immer mehr zerstört. Schon der Mensch der ältetei Steinzeit schätzte das schneidend harte Gestein sie Herstellung seiner Werkzeuge. Regelrechte Wion stätten dieser primitiven Kultur wurden in en Höhlen von Treis a. d. Lda. gefunden. Weite Rer breitung als Grenzstein hat auch der bunte Salnit stein von Münzenberg gefunden, der diem
Quarzit in seiner Entstehung verwandt ist. inte
Untergeordnet finden sich im Bereich der Ling⸗ und Sande außer den unten zu besprechenden Braunkohlen Ocker und Seekreide, die gi Wieseck bzw. Garbenteich gelegentlich gewomurd werden. Recht wertvoll ist die als Dynamitgeuhefe masse und Isoliermaterial verwendbare Kies elglus aus der Anhäufung kleiner pflanzlicher kieselhelö Organismen entstanden, die bei Beuern im I wieder zum Abbau kommt. Ein weithin bekansrsp. Gewinnungsort ist Altenschlirf bei Herbstein.⸗


