16
Deckung allgemeiner Ausgaben) gewahrt worden sind. Im einzelnen ist zu den Betrieben der Stadt Gießen folgendes zu bemerken:
Wasserwert.
Die Stadt bezieht das erforderliche Wasser aus einem in ihrem Eigentum stehenden Quellgebiet bei Queckborn; eine Stollenanlage bei Großen⸗ Buseck ist von geringer Bedeutung. Das Pump⸗ werk umfaßt 4 Dampfpumpen, die innerhalb 24 Stunden 12000 cbm Wasser zu fördern ver⸗ mögen. Zum Ausgleich dienen zwei Wasserbehälter, von denen der bei Annerod gelegene 3000 cbm und der bei der Provinzial⸗Pflegeanstalt gelegene 1000 ebm aufzunehmen vermögen. Das Haupt⸗ rohrnetz hat eine Länge von 105 km. Der gesamte Wasserverbrauch im Kalenderjahr 1926 belief sich auf 2500000 cbm; dabei ist zu bemerken, daß 10500 ebm an die Gemeinde Wieseck abgegeben wurden. Die höchste Tagesleistung belief sich auf 8800 cbm. Der Preis für das ebm Wasser be⸗ trägt 15 Pf.; Großabnehmer erhalten Rabatt.
Gaswerk.
Das Gaswerk, das am 24. Dezember 1856 von einer Privatgesellschaft eröffnet worden war, wurde im Jahre 1886 durch die Stadt übernommen und seitdem von ihr betrieben. Es stehen 8 Hori⸗ zontalöfen zur Gaserzeugung zur Verfügung. Damit können innerhalb 24 Stunden 11500 cbm Gas erzeugt werden. Zum Ausgleich zwischen der gleichbleibenden Erzeugung und dem stoßweisen Gasverbrauch dienen 4 Gasbehälter, die zusammen 6900 cbm zu fassen vermögen. Das Hauptrohrnetz hat eine Länge von 46,7 km. Dadurch, daß das Gas im wesentlichen zu Koch⸗ und Industriezwecken und nicht zur Beleuchtung verwandt wird, ist der Verbrauch ein ziemlich gleichmäßiger. Das Kubik⸗ meter Gießener Gas enthält 5000 Wärmeeinheiten, während das in den meisten Städten eingeführte sogenannte Normalgas nur 4200 Wärmeeinheiten aufzuweisen hat. Der Heizwert des Gases unterliegt einer dauernden Nachprüfung. Das Kubikmeter Gas kostet im Kleinverbrauch 20 Pf. und für Raumhei⸗ zung 12 Pf.; bei größerem Verbrauch werden beson⸗ dere Rabatte gewährt. Vergleicht man die Gießener Gaspreise mit denen anderer Städte, so muß auch die Zahl der im Kubikmeter enthaltenen Wärmeein⸗ heiten berücksichtigt werden. Die gesamte Erzeugung im Kalenderjahr 1926 betrug 3200000 cbm, der größte Tagesverbrauch 10600 cbm. Neben dem Gas erzeugt das Gaswerk als wichtiges Produkt den Gaskoks. Man kann damit rechnen, daß auf jedes Kubikmeter Gas etwa 2,Ikg Gaskoks mit etwa 6660 Wärmeeinheiten je Kilogramm(Anthrazit 7800, Westfälische Nußkohle 7200, Zechenkoks 7200, Braunkohlenbriketts 4800 Wärmeeinheiten) an⸗
Abschnitt 1
fallen. Er findet bei lebhafter Nachfrage hauß sächlich Verwendung für Heizzwecke; insbesonde macht er bei Zentralheizungen dem Zechenko
erfolgreiche Konkurrenz. Der Zentner Grobko kostet ab Gaswerk 1,20 RM. Durch Reinigung di Gases werden noch Benzol(1926: 17,5 t), das Kraftfahrzeuge Verwendung findet, und schwefch saures Ammoniak(1926: 74t), das als Düng mittel begehrt ist, gewonnen. Schließlich sei nol auf den Anfall an Teer(1926: 429 t) hingewiesen der teils zum Straßenbau verwendet, teils chemischen Fabriken(Rütgers⸗Konzern) weite verarbeitet wird.
Elektrizitätswerk.
Das Elektrizitätswerk wurde im Jahre 190⁰ seinen Grundlagen durch Ausbau einer Wasst kraft an der Lahn geschaffen. Im Jahre 1912 wun eine Ueberlandanlage mit zur Zeit 48 Gemeind angeschlossen. Während bis zum Jahre 1919 d⸗ benötigte Strom selbst erzeugt wurde, wird 10 dem auch Strom von anderen Elektrizitätswerlt bezogen. Im Jahre 1925 wurde durch Abschhn eines Stromlieferungsvertrages mit den Preuß schen Kraftwerken Oberweser(PKO.) die Strol versorgung in der Hauptsache auf Fueudsah bezug eingestellt. Die Grundbelastung wird zogen, während die Spitzen selbst abgedeckt werd⸗ Es sind folgende Anlagen vorhanden:
a) 4 Dampfmaschinen(1907—1911) zu je 400 Kilowatt(KW.) 1600 H. b) Wasserkraftanlage 10⁰ 0 c) Einrichtung für Fremdbezug(auf Verlangen der Stadt ist die Lei⸗ stung zu steigern)
zus.: Ferner ist zu bemerken, daß noch eine Ah mulatorenbatterie vorhanden ist, die waheh 3 Stunden 450 kW zu leisten vermag. Sie dih zur Sicherstellung der Stromversorgung des Stoß
gebiets bei etwaigen Störungen; daneben wird
zur Abdeckung der Spitzen mit herangezogen. 6 PK O., die im Jahre 1925/26 150 Millionen Kih wattstunden(KkWh) erzeugt haben, verfügen 11—0 eine Leistung von rund 80000 KW. Zur Stroh erzeugung sind in günstiger Weise Sperrel werke(Edertalsperre, Helminghausen), FIul kraftwerke(Werra⸗Werk, Mainkraftwerke: Kes stadt— Groß⸗Krotzenburg— Mainkur) Dampfkraftwerke(Borken, Kassel, Dettingh zusammengeschlossen. Die Stromzuleitung ersoh mit 110000 Volt. Es ist eine gleichstarke Reser leitung vorhanden. Das Umspannwerk, in di der Strom von 110000 Volt auf 20000 Volt gespannt wird, ist an der Krofdorfer Straße richtet. Die Stromzuleitung in das Giobeh 150 Ueberlandgebiet(Hochspannungsnetz 162 H
täd


