Jahrgang 
1927
Seite
8
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8 Abschnitt 1

der Hallstattzeit, aus römisch⸗germanischer Zeit Brandgräber. In der Gewann Zollstockwand wurden Gräber der Bronze⸗ und Hallstattzeit und eiserne römisch⸗germanische Gebrauchsgegenstände aufgedeckt.

3. Leihgestern(Kr. Gießen): Hier grub man 1908 eine große Niederlassung aus der Steinzeit aus, und in der Nähe der Gemarkung eine Siedlung der Hallstattzeit mit eigentümlich geformten Ge⸗ fäßen. Dabei fand man einen größeren Reihen⸗ friedhof aus fränkischer Zeit. Drei Meter tief im flüssigen Ton entdeckte man vier mächtige Toten⸗ kisten aus Eichenholz mit Innensarg, darin Frauen⸗ skelette. Reiche Beigaben: Schmuck aus Gold und anderem Metall, Perlen, Gefäße, Gläser, hölzerner Hausrat vervollständigen diese Ausgrabung, die unter der umsichtigen Leitung der Herren Kramer und Siegert stattfand.

4. Lindener Mark: Hier fanden sich Hunderte von Grabhügeln und Flachgräbern, von denen einige untersucht wurden.

5. Lumdatal(Kr. Gießen): Hier konnte aus den Gräberfunden festgestellt werden, daß die damalige Bevölkerung sich aus Hirten und Jägern zusammensetzte, 1919 konnte man bei Mainzlar Funde aller prähistorischen Stufen untersuchen.

6. Muschenheim(Kr. Gießen): Hier hat man 1918 bis 1920 ein großes Totenfeld mit 40 gut erhaltenen Grabhügeln aufgedeckt. Von der Bronze⸗ zeit an wurde dieses Feld benutzt durch alle Hallstatt⸗ perioden. Ferner ließen sich hier La⸗Tene⸗Gräber ostgermanischen Ursprungs feststellen. Diese Aus⸗ grabungen brachten dem Museum eine reiche Menge von Gefäßen und ausgezeichneten Bronzegeräten.

7. Nieder⸗Mockstadt(Kr. Büdingen): 1920 bis 1922 wurde hier unter der Leitung des ober⸗ hessischen Museums eine ausgedehnte Totenstadt mit zahlreichen Grabhügeln ausgegraben. Man konnte feststellen, daß hier nach steinzeitlichen Bauern am Ende der Bronzezeit sich andere Stämme niedergelassen hatten. Die meisten der bis jetzt geöffneten Gräber gehörten der Hallstatt⸗ zeit an. Hier war die wissenschaftliche Ausbeutung von besonderer Fülle und hohem Werte.

Kulturgeschichtliche und kunstgewerbliche Samm⸗ lungen des Museums.

1. Porzellan, Fayence und Steingut.

2. Kupferstiche und Handzeichnungen von Johann Georg Wille. Wille war einer der ersten Kupferstecher seiner Zeit in Europa. Er stammt aus der Nähe Gießens, 1715 wurde er in der Obermühle bei Rodheim a. d. Bieber geboren, und begann schon in seinem 10. Jahre in Zinn zu stechen. Dann kam er zu einem Büchsenmacher nach Gießen in die Lehre und gravierte in Silber und Stahl. 1736 kam er nach Paris, gehörte dort einem größeren Künstlerkreise an, er selbst stach

historische Blätter nach Niederländern und ver⸗ fertigte Porträts. Seine Blätter interessieren 3 heute noch, mehr durch ihre hervorragende Technik als durch künstlerisch große Eigenschaften. Zur Zeit seines höchstenRuhmes gehörte er allen bedeutenden Akademien Frankreichs und Deutschlands als Mit⸗⸗ glied an, war Stecher des Königs von Frankreich, des deutschen Kaisers und des Königs von Däne⸗ mark. Er starb 1808 im Elend, durch die Revo⸗ lution seines Vermögens beraubt und dazu er⸗ blindet. Napoleon ließ seine sterblichen Ueberreste im Pantheon beisetzen. 3. Ausgestorbene und aussterbende Haus industrie Oberhessens. Kattundruckerei, We⸗ berei, Flachsbereitung, Knopf⸗ und Stecknadel⸗ Anfertigung, Uhrmacherei, alte Schusterwerkstatt, Zunftladen und Zunftzeichen, Ofenkacheln und Backformen für Anis. 3 4. Kirchliche Altertümer aus der Zeit vor 1500, im besonderen Holzplastik hier sei auf die schöne gotische Statue der Muttergottes des frühen 15. Jahrhunderts, die aus dem berühmten Kloster Arnsburg stammen soll, besonders hingewiesen, kirchliche Geräte. 5. Ansichten der Stadt Gießen. Bilder der Schöffen und Syndici vom 17. bis 19. Jahrhundert. Wehr, Waffen und Fahnen der Gießener Bürger⸗ wehr aus der Zeit 1848/49. 6. Oberhessische Trachtensammlung, Tex⸗ tilien, eingerichtete Bauernstube. 33 7. Universität. Professorenbilder, Gegen⸗ stände des studentischen Lebens, der alte Gießener Karzer. 2 8. Waffenhalle. Rüstungen und Waffen aus dem alten Gießener Zeughaus und aus den Bauern⸗ kriegen. 5 9. Die Sammlungen aus vor⸗ und früh⸗

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geschichtlicher Zeit.* Völkermuseum.

Der Grundstockzu dieser ethnographischen Samm lung wurde durch eine Stiftung von 1500 Gegeng⸗ ständen, die Herr Wilhelm Gail ankaufte, gelegt.

Erweitert wurde sie durch Beteiligung an Expedi⸗ tionen nach Pamir und Kamerun, durch größere Ankäufe und weitere Stiftungen.

Das Völkermuseum soll eine lebendige Anschau⸗ ung fremder Kulturen vermitteln. In der phan⸗ tastischen Fülle seiner vielfarbigen und merkwür⸗ digen Gegenstände vermag es den Erdkundeunter richt aufs lebhafteste anzuregen und hat auch politische Bedeutung durch seinen Hinweis auf unsere verlorenen und wieder zu ersetzenden Ko⸗ lonien.

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Kriegsmuseum.

Es wurde in den Jahren 1915 bis 1918 geschaffen und enthält, durch Geschenke von Privaten und