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Rückzahlung stifteten; die Stadt Gießen gab dazu den Bauplatz und 50000 Mark und lieh weiter ein zu verzinsendes Kapital von 200000 Mark. Mit der Summe von 650 000 Mark ist der ganze Bau einschl. eines großen Dehorationsfonds bestritten. Das Gebäude steht in der Süd-Anlage mit der Front, deren bildnerischer Schmuck von Bildhauer Jäger-Berlin stammt, nach der Bürgermeisterei gerichtet und enthält in Parkett und zwei Rängen 801 und mit den Orchesterplätzen 833 Sitzplätze. Ueber dem Vestibül liegt das prunhvoll eingerichtete Foyer. Die Bühne ist 19 mbreit und 11m tief, die Hinterbühne 13,4 mebreit und 6 w tief, die Bühnenöffnung beträgt 9947 m.
Ueber der Hinterbühne liegt ein Malersaal x
von 118 am Fläche. Zu beiden Seiten der Bühne befinden sich die Ankleideräume, die Kostümgarderoben, die Kulissen- und Möbel⸗ magazine, die Bureauräume usw. Im Souterrain des Zuschauerhauses liegt die Wohnung des Hausverwalters auf der Süd⸗
seite, die Heizungsanlage auf der Nordseite.
Die Heizung ist eine Niederdruckdampfheizung, die Erwärmung des Zuschauerhauses ge— schieht durch eine Luftheizung, bei der die erwärmte Luft durch die Decke eintritt und nach unten gedrücht wird. Der Zu⸗
schauerraum beherbergt ein Kunstwerk in
dem von Hans Koberstein-Berlin gemalten Hauptvorhang.
Das Stadttheater spielt von Oktober bis April regelmäßig am Sonntag, Dienstag, Mittwoch und Freitag, ausnahmsweise auch an anderen Wochentagen. Der Spielplan umfaßt Schauspiel, Lustspiel und Posse. Im Sommer finden einige Gastspiele der Operette des Bad-Nauheimer Kurtheaters statt.
Bemerkenswerte alte Bauten. Das alte Schloß mit dem Bergfrit, Heiden— turm(Brandplatz 2), aus dem 14. Jahrhundert stammend, der älteste Bau Gießens, ist ver⸗ schiedentlich umgebaut, ganz verfallen an die Stadt gekommen und von derselben völlig wieder hergestellt. Es birgt in dem nach dem Kanzleiberg zu gelegenen Flügel das Museum des Oberhessischen Geschichtsvereins, in dem anderen nach dem botanischen Garten zu ge— legenen Teile die zum Absteigequartier des Großherzogs eingerichteten Räume. Die Aus⸗ stattung ist von der Provinz Oberhessen, so— wie von einzelyen Bürgern Gießens und der Provinz gestiftet und von hessischen Firmen zum Teil nach Entwürfen des Professors Olbrich angefertigt. Eine Besichtigung ist sehr zu empfehlen. Das Quartier wurde vom Groß⸗ herzoglichen Paare gleich nach Fertigstellung benutzt gelegentlich der 1907 stattgehabten dritten Zentenarfeier der Landes-Universität. Das neue Schloß(Landgr.-Philipp-Platz 2), ein zierlicher, hess. Fachwerkbau auf massivem
Geschichtliches und Sehenswürdigkeiten der Stadt Gießen
Untergeschoß, ist von Landgraf Phil. d. Groß— mütigen 1533 erbaut. Es ist jetzt äußerlich wieder hergestellt und wird auch im Innern nach und nach wieder ausgebaut. Hier be— findet sich das ethnographische Museum.— Landgraf Ludwig IV. errichtete 1585 das jetzt als Kaserne benutzte gewaltige Zeughaus, dessen Front sich der Senchenbergstraße zu— wendet, das architektonisch schönste historische Gebäude der Stadt. Interessante hessische Fach— werkbauten sind die frühere Hirschapotheke (aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts), das alte, vor mehreren Jahren renovierte Rat— haus(aus dem Anfang des 16.Jahrhunderts) am Marktplatz und das Weiselsche Haus in der Sonnenstraße, das sich durch sehr schöne Holzlauben auszeichnet. Von Burgmannen— häusern sind noch einige erhalten, z. B. die frühere Engelapotheke(Kirchenplatz 12) und das älteste und bei weitem interessanteste Wohnhaus, ein gotischer Bau, jetzt Kunst⸗ handlung Leib(Kirchstraße 2). Wasserleitungen des städtischen Wasser⸗ werks(Gartenstraße 3). Die erstbenutzten Quellen am Erlenbrunnen, Hubertusbrunnen und bei Großen-Buseck hatten 1912 einen Er⸗ guß in den Niederdruckbehälter am Lutherberg von 255500 ebm. Von den Pumpmaschinen in Queckborn wurden 1912 in den Hochdruch— behälter bei Annerod gefördert 1556200 ebm. Die Gesamt-Wasserzuführung für 1912 betrug also 1811700 ebm. Der durchschnittliche täg⸗ liche Verbrauch an Wasser auf den Kopf der Bevölkerung beträgt 149 Liter. Von den 2453 bewohnten Häusern Gießens sind 2252 an die Wasserleitung angeschlossen Im ganzen stehen mit dem Wasserrohrnetz in Verbindung: 350 Straßenhydranten, 80 Gartenhydranten für städtische Anlagen, 2326 Haus- und Garten⸗ Anschlüsse. Das Gießener Leitungswasser ist vorzüglich. Die Gesamtlänge der Zuleitungen und des Straßenrohrnetzes beträgt 87216 m. Gas: und elektrische Beleuchtung. Das städtische Gaswerk(Gartenstraße 3) wurde 1856 eröffnet und 1886 von der Stadt über⸗ nommen. Der Gasverbrauch betrug 1887 635 625 ebm, 19 12 2180 880 chy.. Die Gas⸗ produktion hat ständig zugenommen— Die Gesamtlänge des Straßenrohrnetzes beträgt 63 787 m. Zur Straßenbeleuchtung dienen 919 Gaslaternen. Angeschlossen sind 4689 Gas— abnehmer mit 20461 Gasmesserflammen und 16 Gaskraftmaschinen mit zusammen 79 b'§. Das städtische Elektrizitätswerk ist von Schuckert& Co., Nürnberg, erbaut und im September 1901 eröffnet. Erweiterungen wurden in den Jahren 1907 und 1909 vorgenommen. Letztere wurden durch das Städtische Elektrizitätswerk aus geführt. Als Betriebskraft dient die Wasserkraft der Lahn, Generatorgas und Darpfkraft. Die Maschinenanlage umfaßt zwei Turbinen von


