Geschichtliches und Sehenswürdigkeiten der Stadt Gießen
sind alle medizinischen Institute auf dem Seltersberge vereinigt bis auf die Ohren— klinik(Liebigstraße 20), das anatomische, zoologische(Bahnhofstraße 84) und phy— siologische Institut(Senckenbergstraße 15). Die veterinär-medizinischen Institute sind jetzt ebenfalls großartig eingerichtet an der gegenüberliegenden Seite der Straße (Frankfurter Straße 94). In dem einst als Kollegienhaus errichteten Gebäude Brand— platz 4, das später der Universitäts-Bibliothek
diente, sind das botanische und das geo⸗ graphische Institut, sowie das mathema⸗
tisch-physikalische und das Kabinett untergebracht.
geodätische
Das Landgraf-Ludwig-Gymnasium besteht seit 1605, wax zuerst im Rathause, dann in dem Hause Neuen Bäue 2, später im Senchenbergischen Hause am Landgraf-Philipp-
Platz(heute Kreisamtsgebäude) unterge— bracht und befindet sich jetzt Süd-Anlage 6. Das 1837 als Realschule gegründete Realgym— nasium befindet sich Ludwigstraße 11. Die mit ihm seither vereinigte Oberrealschule siedelt Ostern 1914 in den Neubau an der Stephanstraße über und wird selbständige An— stalt. Die höhere und erweiterte Mäd—
chenschule besitzt an der Nord-Anlage ein modernes Haus. Für die städtischen Kna⸗ ben- und Mädchen-Volksschulen sind
zwechmäßige und würdige Schulhäuser an der Nord-Anlage 8, West-Anlage 43 und Schiller— straße 8 vorhanden. Der Bau eines weiteren Schulhauses wird demnächst an der Credner—
straße begonnen werden. An privaten Lehr⸗
anstalten, gewerblichen und sonstigen Fort— bildungsschulen sind zu erwähnen das Gieße—
ner Paedagogium(Bleichstr. 6), gegründet am 15. April 1912, private höhere Lehranstalt zur Vorbereitung auf alle Schulprüfungen, das
Institut von Dr. Kübel(Bahnhofstraße 45), die Aliceschule, für Frauenbildung und Erwerb (Kirchstraße 20), Haushaltungsschule(Stein⸗ straße 10), Fortbildungsschule(Stadt— knabenschule, Nord-Anlage 8), Kaufmänni— sche Fachschule(Nord-Anlage 15). Das Gewerbehaus(Kirchstraße 16), in welchem die Großherzogl. Gewerbeschule und die Handwerker-Sonntagszeichen-Schule untergebracht worden ist, wurde vom Orts— gewerbeverein Gießen für die Summe von rund 100000 Mk.(ohne Bauplatz) in den Jahren 1906— 1908 unter der Präsidentschaft des Kommerzienrats Heyligenstaedt erbaut. Das Gebäude— an der Kirchstraße 16— enthält im Erdgeschoß einen Fest- und Versamm— lungsraum mit anstoßendem Beratungszimmer, die Schuldienerwohnung und bis auf weiteres eine Mietwohnung. Das 1. und 2. Ober—
geschoß dienen ausschließlich Schulzwechen;
darin sind 8 Lehrsäle, Direktions- und Lehrer— zimmer, Bibliothek, sowie Räume für Kon—
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struktions⸗, mechanische und physihalische Modelle untergebracht. Das Kellergeschoß enthält große Modellierräume, die künftig praktischen Unterrichtszwecken dienstbar ge— macht werden sollen. Die Beleuchtung ist insofern neu und für andere Schulgebäude beachtenswert, als nicht wie sonst üblich Dechenbeleuchtung, sondern Wandbeleuchtung — und zwar hier nur an den Pfeilern zwischen den Fenstern— angebracht worden ist, wodurch im ganzen Raͤume eine gleich— mäßige Erhellung erreicht wurde. Eine Be— sichtigung dieser vorzüglichen Einrichtung ist allgemein zu empfehlen.
Museen, Sammlungen, Ausstellungen ete. Das Museum des Oberhessischen Ge— schichtsvereins ist 1905 aus dem alten Rathause in das alte Schloß(Brandplatz 2) verbracht. Es enthält eine Sammlung von Altertümern, insbesondere aus Gießen und Umgegend, darunter sehenswerte prähistorische Gegenstände, sowie hervorragende germanische und römische Funde. Besuchszeit von 11 bis Uhr, an Sonn- und Feiertagen unentgeltlich, an Wochentagen für 50 Pfennig. Im neuen Schlosse(Landgraf-Philipp-Platz 2) ist das erst im Jahre 1911 aus Privatmitteln gegründete ethnographische Museum untergebracht. Besichtigung Sonntags von 11—1 Uhr unent⸗ geltlich, Mittwochs von 3—5 Uhr für 50 Pfg. Die Kunstausstellun gdes Kunstvereins für das Großherzogtum Hessen, Zweigverein Gie— ßen, im oberen Stock des Turmhauses(Brand⸗ platz 3) bietet drei- bis vierwöchentlich wech— selnde Ausstellungen neuerer Meister, ist geöffnet von 11—1 Uhr, außer Samstag, für Mitglieder unentgeltlich, für Nichtmitglieder Sonntags gegen 20 Pfg., an Wochentagen gegen 50 Pfg., für Studenten gegen 20 Pfg. Eintrittsgeld. Gipssammlungdes archäologischen Instituts (Ludwigstraße 23) im Sommer geöffnet gegen freien Eintritt Montag, Mittwoch, Freitag von 11— 12 Uhr, Dienstag, Donnerstag von 4-5 Uhr, im Winter Dienstag 4-5, Freitag 11 bis 12 und Sonntag 12—1 Uhr. Botanischer Garten(Senckenbergstraße 6), 1609 angelegt, enthält manche Seltenheiten und ist neuerdings durch ein Palmenhaus und ein größeres Warmwasserbechen vervollständigt. Täglich geöffnet(außer mittags von 12—1 Uhr).
Das Stadttheater wurde in den Jahren 1905— 1907 nach Plänen der Architekten Fellner und Helmer in Wien und H. Meyer in Gießen von letzterem erbaut und am 23. Juli 1907, acht Tage vor dem 300jähr. Jubiläum der Universität, eingeweiht. Der Bau, dessen Außenarchitektur in Gliederung und Aufbau der Antike entlehnt ist, während die Formen modern sind, verdankt seine Ent— stehung der Opferwilligkeit von 600 Gießener Einwohnern, welche. insgesamt rund 400000 Mark ohne Anspruch auf Zinsen und


